1914 bis 1945

erstellt am: 04.09.2010 | von: redakteur | Kategorie(n): Allgemein, Geschichte, Historie

Auch nach Kriegsschluss verhinderten Verordnungen der Besatzung bezüglich des Befahrens des Rheines ein sofortiges Wiederaufleben der segelsportlichen Bestrebungen. Die Motorboote der Herren SCHLÖSSER und HORATZ wurden für die Besatzung beschlagnahmt. Der Vorsitzende, Herr MANN, legte 1919 nach 7jähriger Tätigkeit sein Amt nieder.

1919 war ein schwarzes Jahr für den Club. Ende Dezember und Mitte Januar 1920 stieg der Rhein bis an das obere Stockwerk des Gebäudes, zerstörte die Inneneinrichtungen und das Mobiliar. Wieder mussten die Mitglieder für die Beschaffung und Instandsetzung bedeutende Beträge zeichnen. Nach 6jährigem Stillstand der Regattatätigkeit wurden 1920 zum ersten Mal wieder Wettfahrten durchgeführt. Nachdem Kapitän FISCHER ein Jahr den Club kommissarisch geführt hatte, fand man den neuen Vorsitzenden, Herrn Wilhelm REDEKE. Er führte den Club von 1920 bis 1929. Er nahm sofort die Erweiterung und den vollständigen Umbau des Clubhauses vor.

Glücklicherweise für uns griff er nicht auf die vor Kriegsausbruch ausgearbeiteten Gesamtneubaupläne zurück, sondern begnügte sich mit dem inneren Umbau und der äußeren Renovierung des Hauses. Die Einweihung konnte am 26. Juni 1921 feierlich begangen werden.
Im gleichen Jahr trat auch der Kölner Seglerclub in den Deutschen Seglerverband (DSV) ein. Schon im folgenden Jahr wurden Klasseboote nach den Bauvorschriften S. V. in größerer Anzahl gebaut. Der diesen Anschluss überflüssig gewordene Wettfahrtverband rheinischer Segler wurde zu einem ständigen Ausschuss umgewandelt, der die Rheinische Segler (Rheinwoche) ins Leben rief. Diese Woche, die bis jetzt, und zwar jedes Mal in der Pfingstwoche veranstaltet wird, ist noch heute die attraktivste Rheinregatta. Durch Aneinanderreihen von Regattaterminen wie Regattastrecken führt sie von Koblenz bis Emmerich, zeitweise sogar von Mainz bis Emmerich.

Im November 1924 wurden die Clubräume durch ein Hochwasser erheblich beschädigt; aber da die Flut schnell zurück ging war der Schaden nicht so groß geworden.

Die Zahl der Mitglieder hatte in diesen Jahren 200-Grenze überschritten und mit 70 registrierten Booten einen einmaligen Höchststand erreicht. 1925 endlich hatte man das seit langen Jahren herbeigesehnte schwimmende Bootshaus mit Bootsmann vor dem Kapellchen liegen. Damit waren die 70 Boote aber noch nicht untergebracht.
Das Projekt eines Hafens wurde aufgegriffen. Man wollte eine Längsbuhne ausbaggern und bauen und damit einen richtigen Hafen gewinnen. Der Vorstand war sich klar darüber, dass eine größere Ausdehnung des Clubs ohne Hafen nicht möglich war.
Man war in den Jahren zuvor sogar mehrmals gezwungen, die Liste zeitweise für Nichtbootseigner zu schließen, die ersten Aufnahmesperren.

Nachdem in den 25 vorangegangenen Jahren des Clubbestehens der Sport keine Menschenleben forderte, verlor der Club im Jahr 1925 Herrn Hermann KAPPES und Herrn Josef SCHLÖSSER! Herr KAPPES verunglückte, als er mit seiner Jolle im Schlepp zu Berg zum Ansegeln des Kölner Seglerclubs KSC eilen wollte. Der an der Spitze des Vorschiffs angebrachte Führungsring, durch welchen die am Mast festgemachte Schlepptrosse geführt war, löste sich und riss heraus. Hierdurch kam das Boot, das jetzt lediglich vom Mast aus geschleppt wurde, plötzlich in eine derart querab fallende Gierstellung, dass ein Kentern des Bootes, da es in diesem Augenblick nicht gesteuert wurde, die unausbleibliche Folge war. Herr KAPPES, der ahnungslos auf Deck saß, wurde über Bord geschleudert. Obwohl der Schiffer, der den Vorgang beobachtete, das Boot sofort los warf, war der Abstand zwischen dem Schwimmer und dem gekenterten Boot bereits so groß, dass Herr KAPPES nicht mehr erreicht werden konnte. Herr SCHLÖSSER ist das Opfer eines Unwetters geworden, das die Rheingegend am Pfingstsonntag, als die Boote in einer Wettfahrt der Rheinwoche unterhalb Wesseling lagen, heimgesucht hat. Eine ganze Anzahl Boote brachte der furchtbare Sturm zum Kentern. Herr SCHLÖSSER, der von seinem gekenterten Boot abkam, ertrank.
Anlässlich der Pfingstfahrt fuhr die Frau des Hauswartes Georg CUNITZ mit einem Fährboot zu dem zu Berg kommenden Schleppzug “Rheinstrom Ernst Wassermann Nr. Z”, um sich da nach einer Schleppmöglichkeit für die Segler zu erkundigen. Das Boot kenterte, und der Steuermann des Motorbootes “Ferdinand Linden” versank mit Frau CUNITZ vor den Augen der Segler in den Fluten. 1929 frieren im harten Winter die schwimmenden Bootsanlagen ein und müssen an das Ufer gezogen werden! Für die nun folgenden Jahre sind die überbrachten Aufzeichnungen spärlich geworden. Die meisten Unterlagen verbrannten während der Hitlerzeit bei der Zerstörung Kölns durch Briten und Amerikaner. Die Jugend wurde in dieser Zeit von Marine-Hitler-Jugend und anderen Organisationen aufgesogen. Sie erhielten dort jede seemännische Ausbildung, alle Befähigungsscheine und in den Schulen von Plön, Laboe usw. segelten und pullten sie kostenlos und bekamen in Ihren Ortsverbänden alle Materialien und Anleitung zum Selbstbau von Jollen. Mehr Bilder sind vom Kölner-Motor-Jacht-Club erhalten. Er ist die zweite Wurzel des heutigen Kölner Yacht Clubs, am 27. Juni 1927 wurde er gegründet. Aus Berichten älterer Clubkameraden wissen wir, dass das Clubleben weiter in fester Form verlief. Das Clubhaus war da und das schwimmende Bootshaus mit der Steganlage. Alles was Wassersportlern am Strom fehlte, war der rechte Hafen.
Wir wissen, dass die Boote im Winter in Scheunen und Hallen gelagert wurden und sobald es das Wetter zuließ, zur schwimmenden Anlage gebracht, überholt und aufgetakelt wurden, manchmal wurden sie von später Kälte überrascht. Es war das gleiche Bild am Ober- und am Niederrhein, bei den Ruderfreunden, die froh waren, den Winter hinter sich zu haben und mit kräftigen Ruderschlägen die ersten Fahrten unternehmen konnten. Die ersten Bergfahrten begannen, die Segler sind auf das Schleppen durch die zu Berge gehenden Frachtkähne angewiesen. Das Anfahren und Festmachen beim Schleppen bringen aufregende Minuten, aber die Schleppkapitäne sind den Sportlern wohl gesonnen und sie wissen wohl, dass am Ende des Schleppens eine Flasche zu ihnen herübergereicht wird. Seltener sind damals noch die Fahrten nach Holland, beliebter die sich jährlich wiederholenden Törns zum Oberrhein.

1929 legt Willi REDEKE sein Amt nieder. Er war einer der Männer, die die Rheinwoche ins Leben gerufen haben. Von 1929 bis 1933 führte Herr HORATZ den Club und von 1933 bis 1940 Herr Hubert ZIMMERMANN. Eine schwierige Zeit, da sich der Segel- und Wassersport auf staatlich gelenkter Ebene immer stärker etablieren. Traditionsfest hielten die meisten alten Mitglieder ihrem Club die Treue. Segeln, Motorbootfahren, ja sogar Wassergleiten – Vorläufer des Wasserskilaufens – füllten die Freizeit aus.

Wie jedes Jahr zur Saisoneröffnung paradierten die Boote 1935 über die Toppen geflaggt, allerdings auch mit der roten Fahne am Heck oder Besanstag an Köln vorbei. Am 27. Juni 1937 beging der Yacht Club seinen Geburtstag. Sein Bootshaus schwamm oberhalb des Kapellchens. Mit einem Startschuss eröffneten sie das Fest. Die Boote fuhren über die Toppen geflaggt an der Stadt vorbei, um anschließend mit vielen Gästen am Bootshaus und Steg zu feiern. Herr Dr. Fritz ZINNEKE hatte als Vorsitzender von 1940 bis 1947 die schwere Aufgabe, den Club in den Kriegsjahren und den ersten beiden Nachkriegsjahren am Leben zu erhalten. Die meisten waren Soldaten geworden, das Clubhaus und die Motorboote waren beschlagnahmt. Es galt für Herrn Dr. ZINNEKE, das Überleben des Clubs zu sichern. Vorbei waren die Feste und Feierlichkeiten, bei denen die Kölner Wassersportler führend waren und die sie in den größten Sälen Kölns abgehalten hatten. Alle dem Kölner Regattaverein angeschlossenen Wassersportvereine beteiligten sich an diesen Ereignissen.
Während der Kriegsjahre half der mit uns befreundete Ruderclub 1877, indem er einen kleinen Clubraum zur Verfügung stellte. Hier konnten wenigstens die geselligen Zusammenkünfte in bescheidenem Rahmen durchgeführt werden. Aber auch das Heim der 1877 er wurde zerstört. Und wieder obdachlos geworden, suchten die noch zu Hause gebliebenen Clubkameraden Aufnahme bei dem Kölner Motor Yacht Club.

 

 


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