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Rheinwoche 2000

Rheinwoche 2000

von Koblenz nach Hitdorf

von Hermann Josef Anton

Das war eine Rheinwoche, beider sich St. Petrus daran erinnert haben muss, dass er vor 2000 Jahren zu Pfingsten zum Fischen auf den See Genezareth hinausgesegelt war. Mit dem Wetter wollte er vielleicht den Einladenden von Köln und Koblenz ein Geschenkmachen, das, wie es nun einmal bei Heiligen sein muss, allen Menschen unserer Gegend zugute kam. Vielleicht hat er sich auch daran erinnert, dass der Kölner Dom zwar die Gebeine der Hl. Drei Könige beherbergen soll, aber seinen Namen trägt. Jedenfalls: es hat niemanden gegeben, der über das Geschenk (des Himmels) unglücklich war. Also: bei herrlichem Wetter begann die Rheinwoche am Freitag vor Pfingsten in Koblenz mit dem Regattaheiligabend.

Man freute sich nach viel Sonne am Tag über den milden Abend und feierte voll Hoffnung auf die folgenden Tage zum Teil bis in den Samstag morgen hinein.

Mit einem guten Frühstück im Clubhaus von Rhein-Mosel beginnend, war am Morgen an den Booten noch so manches zu tun. Die Überführung der Boote vom Yacht Club Rhein-Mosel (YCRM) durch die Schleuse in den Bauhafen war die Hauptsache. Mit geringer Verspätung wurde es geschafft, so dass die Regattaleitung bald mit der Steuermannsbesprechung beginnen konnte.

Das. Fernsehen war da. Deshalb wirkten die Reden ein bisschen gespreizt. Aber es nahm schließlich doch seinen geordneten Verlauf.

Das letzte Moselstück ist, wenn kein Berufsschiff dazwischen kommt, ein guter “Sammelraum”. Es kam keines! Vor dem Start gab es also keine Probleme. Wind war ja genug.

Und erfahrene Skipper kann auch die Berufsschifffahrt, die auf dem Rhein natürlich weiter lief, nicht aus dem Konzept bringen. Der Verkehr war stark. Von Feiertagsruhe war nichts zu. spüren. “Time is Money” ist die Parole der Kapitäne. Die Wasserschutzpolizei hat vorzüglich verstanden, das Segelereignis mit der Berufsschifffahrt in Übereinstimmung zubringen. Ich habe zwar den Rheinfunk nicht mitgehört, dort lassen die Berufsskipper schon mal ihren Frust heraus. So wie sie fuhren, waren alle geduldig und einfühlsam bei der Steuerung ihrer Schiffe durch das Gewirr der Segler. Sieben Startgruppen mit insgesamt 100 Schiffen waren in Abständen von fünf Minuten bei jeder Wettfahrt auf die Reise zu schicken; dazwischen eben wie immer die Berufs-Berg- und Talfahrer.

Die Startgruppe, in der ich mitfuhr, war inhomogen. Neben den Sharks starteten die BM’s, die Dehler22/25 und die 15er Jollenkreuzer(P). Mit 16 Booten war Segelkonkurrenz in der Klasse genug vorhanden.

Ein hoch interessantes Phänomen ist mir aufgefallen, übrigens nicht nur auf der diesjährigen Rheinwoche. Es hat ganze drei Wettfahrten gedauert, bis einige Mitsegler gelernt hatten, dass die wichtigste Vorfahrtregel die Steuerbord/Backbordregel ist. Ich weiß nicht, wie oft ich um einen Steuerbordbuger (Backbordwinder) habe herumfahren müssen und ihn auf sein Fehlverhalten habe aufmerksam machen müssen, ehe er es gelernt hatte. Die Forderung nach Raum wurde einfach ignoriert. Ich weiß nicht, obder Delinquent später die Regel gelernt oder ob er mein Schiff erkannt hatte, jedenfalls wurde regelmäßig und zeitig Raum gegeben, ohne zu behindern. Ein Fehler ist es, dass nicht protestiert wird; besonders dann, wenn ein Vorfahrtnehmer am Schluss der Regatta den 1. Preisseiner Klasse gewinnt!

Eine der erfreulichsten Errungenschaften für die Teilnehmerwährend der ganzen Regatta war das Begleitschiff ,Siebengebirge’, ein Passagierschiff der Firma Hoitz. Gepflegt und geschmackvoll eingerichtet vermittelte es den Komfort, der dem Ereignis zusätzlichen Glanzvermittelt. Die Mannschaft bewältigte jeden Andrang bei Frühstück und Mittagessen. “Freundlichkeit und Tempo!” schien die Parole gewesen zu sein, die der Chefsteward ausgegeben hatte.

Auch bei der Siegerehrung funktionierte alles. Etwas Geduld wurde den Teilnehmern von der Wettfahrtleitung zwar abverlangt: Proteste zwischen Booten und gegen die Regattaleitung wegen Start- und Ziel-Problemen waren zu verhandeln. Deshalb begann sie etwas verspätet, und in einigen Gruppen waren die endgültigen Ergebnisse nicht zu klären. In Porz-Zündorf, dem Hafen, in dem der Club sein Hafenfest gestaltet hatte, war, als die Boote nach dem Zielein-Bär los. Musik und viel Klamauk sorgten für die richtige Stimmung und natürlich auch das immer noch schöne Wetter. Der WDR war mit einem Fernsehteam zugegen und drehte einen Beitrag für Montagabend. Eine Bühne mit Conferencier und Musik, Bierbude und Grillbüffet sorgten unter den Besuchern für Stimmung. Die Seglerwaren durstig und ließen sich Bier und andere kalte Getränkeschmecken. Die Shark-Gäste aus dem Rheingau waren begeistert und lobten alles, was geboten wurde.

In den Katakomben, einem Gewölbe, in dem sonst die Ruderboote des CfWP liegen, war jeder Platz besetzt und man erwartete die Tagespreisverteilung mit Spannung. Das Gewölbe lud ein zum lauten Feiern. Bis in den Morgen hielten die Tapfersten wieder aus. In der Nacht kühlte es sogar so weit ab, dass auch das Tanzen Freude machte. Montagmorgen war das Wetter wie m Tag vorher: Sonne und Wind. Es konnte ohne Zeitverschiebung gestartet werden. Die Regatta lief unter Segeln in zügiger Fahrt an Rodenkirchen vorbei. Wir Segler sahen die feiernden Zuschauer nur so nebenbei. Segeln war wichtiger. Wind auch durch Köln hindurch! So ging es weiter bis nach Hitdorf, wo die Siebengebirge, in den Hafen eingefahren, zur Preisverteilung bereit lag.

Gleichzeitig wurde gekrant. Auch das klappte gut. Das Chaos mit Autos und Hängern auf der Straße war allerdings kaum zu überbieten. Aber schließlich löste sich alles auf, und das immer etwas hektische Ende der Rheinwoche klang freundlich und zufrieden für alle aus.

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