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Rheinwoche 2005

Rheinwoche 2005

Walluf, das Tor zum Rheingau

von Holger Vogt

‚Ja ist den schon wieder Pfingsten’ – nein, endlich ist wieder Pfingsten, endlich wieder Rheinwoche, endlich wieder mit all den anderen erfahrenen Rheinseglern sich den Launen des Wetters, den Besonderheiten des Rheines und der Berufsschifffahrt stellen.

Ganz klar, ich bin vom Rheinvirus befallen. Segeln auf dem Rhein mit und gegen Andere, den Strom ausnutzen, der Berufsschifffahrt ausweichen, drei Tage volle Konzentration und abends Party. Das ist Rheinwoche!

Dieses Jahr haben wir uns in Walluf im Rheingau getroffen und  sind auch dort geblieben. Der Freitag war mit Anreise und den Vorbereitungen ausgefüllt. Bis alle Schiffe des KYC im Wasser waren gab es noch einiges zu Basteln und zu Reparieren. Auch gab es hier und da einmal eine unsanfte Berührung mit dem Grund, aber zum Regattaheiligabend waren alle Boote im Wasser.

Der erste Regattatag brachte dann erst einmal Regen, grauer Himmel und kein Wind. Nach der Startverschiebung ging es dann im Regen flussauf zum Start, im Schlepp die “Albertina” mit Hans Althaus und Sohn. Mit dem Schwertzugvogel waren wir in der 4. Startgruppe. Bei schwachem Talwind war an segeln gegen den Strom nicht zu denken. Also Anker raus – der ist aber nicht für zwei Boote ausgelegt und bis Hans seinen Anker klar hatte, trieben wir schon wieder stromabwärts. Motor an – Ruderblatt gegen Schraube – Scherstift abgerissen – Dauerregen – Wettfahrtabbruch! Na Prima, das fängt ja gut an. Dafür gab es abends die außergewöhnlichste Siegerehrung die ich bisher erlebt habe. Preise wurden vergeben an das Boot mit dem heiligsten Namen „St. Qualm“ – Skipper Julius Weirauch, der weitesten Anreise – Berlin! Es wurden aber auch Pannen und Missgeschicke mit Buchpreisen aus dem Antiquariat “Segeln, aber richtig” prämiert. Und dann war da wieder Party.

Der Sonntag machte dann seinem Namen wieder alle Ehre. Der Wind hatte gedreht, die Wolken haben sich verzogen. Pünktlich wurde gestartet. Wir sind in der 4. Startgruppe, gestartet wird im Abstand von 5 Minuten also 4*5=20, Startzeit 10:20 Uhr. Das reicht zum Warmsegeln und zum Wachwerden. Moment – die Erste Startgruppe startet doch um 10:00 Uhr, schnell noch einmal rechnen 0 – 5 – 10 – 15! Upps, schon 10:12 Uhr jetzt aber schnell zur Startlinie – gestartet! Wo sind die anderen Schwertzugvögel? Da ist die “Bettina” mit Heike und Hans-Wilhelm und wo ist die “Albertina”? Nicht zu sehen, oder sind die schon vor uns? Es war eine schöne Fahrt mit ruhigem Strom gegen den Wind. Der Rhein ist hier ausreichend breit, so dass sich Segler und Frachter nicht in die Quere kommen. In der kleinen Gies waren wir sogar für uns. Da ist ja auch schon das Ziel. Erste Wettfahrt gewonnen – Klassensieg.

Die zweite Wettfahrt am Nachmittag fand dann unter ähnlichen Wetterbedingungen statt. Nur hat diesmal Hans Althaus und Sohn mit der schnelleren “Bettina” nicht den Start verschlafen (auch falsch gerechnet). Dies brachte für beide Boote noch einen schönen Wettkampf um Platz 1, den Hans um eine halbe Bootslänge gewann. Der Gesamtsieg gehörte dann doch dem alten Holzboot “Pitt” mit Hans-Martin und mir. Siegerehrung und Party.

Pfingstmontag brachte dann für alle Segler wieder die Ruhe. Dies war auch für einige nötig, denn der Rheingauer Wein hatte Nachwirkungen. Also warteten wir auf den Start zur 3. Wettfahrt. Startverschiebung – Sonne, kein Wind – Regattaabbruch. Aber es gab bei 2 Booten Punktgleichstand. Hier mußte dann doch noch ein Matchrace gefahren werden, natürlich mit der Königklasse der Matchrace Boote, den America’s-Cup-Yachten! Mit ferngesteuerten “Mini-Cupper” wurde dann im Hafenbecken der Segelclub Rheingau der fehlen Sieg ausgesegelt.

Auch wenn wir nicht viel segeln konnten, so war dies doch eine besondere Rheinwoche die allen beteiligten in guter Erinnerung bleiben wird.

Vom Kölner Yacht Club beteiligten sich folgende Boote und Mitglieder an dieser Regatta:

Reinhold ‘Löv’ Hillebrand, Jupp Olepp, Dieter BüningEcume de Mer: ‘Luftikus’ (Yardstick > 108) 8. Platz Hermann Josef Anton, Gisela Erdmann, Hans SchmückerShark: ‘i3V’  7. Platz
Klaus Hammel, Olaf Krings, Wolfgang Ledschbor, Georg LemmenBavaria 606: ‘Oskar’ (Yardstick > 108) 3. Platz
Annette Kleikamp, Susanne BirkeSailhorse: ‘Harakiri’ 5. Platz Heida Maria Leonhardi, Holger ReckSailhorse: ‘Scirocco’ 6. Platz
Harry Jonas, Jürgen KielSailhorse: ‘Meltemi’ 4. Platz
Hans Althaus, Hans-Ilkmar AlthausSchwertzugvogel: ‘Albertina’ 2. Platz Hans-Martin Burgwinkel, Holger VogtSchwertzugvogel: ‘Pitt’ 1. Platz
Heike Erlinghagen, Hans Wilhelm DünnSchwertzugvogel: ‘Bettina’ 3. Platz

Für sechs Boote des KYC war das Ende der Regatta aber noch nicht das Ende der Rheinwoche. Ganz im traditionellen Sinne haben wir den Heimweg nach Köln auf dem Rhein angetreten. Am Montag sind wir von Walluf nach Rüdesheim gesegelt. Der Wind hatte zum Nachmittag zugenommen, so dass wir diese Strecke mit achterlichem Wind zurücklegen konnten. Abends waren wir zu Gast beim Rüdesheimer Yacht Club und habe einen köstlichen Wein abseits der Touristenlokale genossen. Hier wurden nachhaltige Bekanntschaften geschlossen.

Der Dienstag brachte dann eine Wetterwechsel mit sich und wir kreuzten den Rhein zu Tal. Durch das Binger Loch und um die Loreley sind wir allerdings mit Motor gefahren. Nach einer Aufwärmpause unterhalb der Loreley haben wir den Weg bis Lahnstein dann wieder unter Segel zurückgelegt. Hier zeigte sich dass die Winde im Rheintal nicht zu unterschätzen sind und belegte Schoten auf eine Jolle zum Kentern führen. Harry und Jürgen waren schnell wieder im Boot wurden vom Professor dann geschleppt.

Diese Erfahrung des Kenterns mussten dann am Mittwoch auch Gisela und Vieth machen, welche von einer Bö im Hafen von Lahnstein umgeworfen wurde. Nach einer Trockenpause am Deutschen Eck hatten wir dann aber noch einen schönen Segeltag bis nach Oberwinter. Hier waren wird zu Gast beim Yacht Club Oberwinter.

Am Donnerstag hatte sich dann das Wetter wieder zum Besseren gewendet und wir hatten sogar den seltenen Talwind. So konnten wir mit achterlichem Wind und herrlichem Sonnenschein vorbei an Remagen, Königswinter und Bonn zurück nach Köln segeln.

Für alle Teilnehmer war diese Tour ein besonderes Erlebnis und wir sind uns einig, dass wir diese Flusstouren auf Rhein und Mosel wiederholen werden.

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