Autoreferat des Vortrages vom 7.10.04 von Hans Althaus Der bürgerliche Name von Gorch Fock ist Johann Kinau. Er wurde am 22.08.1880 auf der Elbinsel Finkenwerder geboren. Sein Berufswunsch wie sein Vater oder seine beiden Brüder Seefischer zu werden, erfüllte sich aus gesundheitlichen Gründen nicht. Er wurde Kaufmann und arbeitete zuletzt bei der HAPAG. Seine Kenntnisse vom Theater und der Literatur brachte er sich autodidaktisch bei. Literarisch wird er zu den Naturalisten gerechnet. Er blieb aber ein Heimatdichter. Sein be-kanntestes Bühnenstück ist der plattdeutsche Einakter „Cili Cohrs“ (1914) und sein hochdeut-scher Roman „Seefahrt ist not“ (1913), in dem er der Finkenwerder Hochseefischerei ein Denkmal setzte. Es ist ein Buch, das noch heute fesselt.
Als 1914 der 1. Weltkrieg ausbrach, mel-dete er sich freiwillig zum Dienst, den er bei der Infanterie und ab Frühjahr 1916 bei der Marine ausübte. Als Matrose fand er am 31. Mai 1916 in der bekannten See-schlacht am Skagerrak auf dem Kreu-zer „Wiesbaden“ den Tod, als das manövrierunfähig geschossene Schiff unterging.
Vier Wochen später wurde sein Leichnam mit anderen Matrosen auf der westlichen Schäreninsel Steensholmen angetrieben. Auf der Insel wurde er mit seinen Kame-raden bestattet. Die Gräber werden von der Deutschen Kriegsgräberfürsorge ge-pflegt und der kleine Friedhof ist in einem sehr guten zustande. Fahrensleute, die sein Grab besuchen wollen, sollten bedenken, dass es in diesem Schärengebiet 5 Inseln mit dem Namen Steensholmen (Steininsel) geben soll. Die gesuchte Insel liegt nahe am Nordausgang des Hamburg-sundes.
Der Name unseres Dichters aber lebt wei-ter. In Finkenwerder ging die Fischerei mit den Ewern seit dem 1. Weltkrieg völlig zurück; es sind bis heute einige Mu-seums-schiffe im Hafen übrig geblieben. Nach der Fischerei entwickelte sich eine Werftin-dustrie, die nicht mehr existiert. Heute lebt Finkenwerder, das inzwi-schen ein Hamburger Stadtteil wurde, von der Airbusindustrie. An den Dichter er-innern noch ein Park, eine Sporthalle und das Haus seines Vaters am Neßdeich, in dem er sei-ne Kindheit verbrachte. Es wird von einem Heimatverein betreut und kann besichtigt werden. Als 1932 das damalige Segelschulschiff der Reichsmarine „Niobe“ im Fehmarnsund nach einer Sturmbö sank, wurde das Nachfolgeschiff nach unserem Dichter benannt. In den letzten Kriegstagen des 2. Weltkrieges wurde die Bark im Strelasund ver-senkt, 1947 gehoben, instand gesetzt und von der russischen Marine requiriert. Es segelte unter dem Namen Towaritschtsch (Genosse) bis zur Auflösung der So-wjetunion (1992). In den nachfolgenden Jahren kann endlich Tall-Ship Friends e.V. das Schiff erwerben und auf ei-nem Dockschiff nach Stralsund transpor-tieren. Nach Beendigung der Reparaturar-beiten wurde es am 29.11.03 wieder auf seinen alten Namen Gorch Fock getauft und kann im Hafen besichtigt werden.
Die uns allen bekannte Dreimastbark der Bundesmarine „Gorch Fock“ wurde 1958 von der Hamburger Werft Blohm & Voss gebaut. Das Schiff ist 89,3 m lang, 12,0 m breit und hat einen Tiefgang von 5,0 m. 1954 qm Segelfläche können das Schiff auf 17 kn bringen, während der 1260 Kilowatt (1714 PS) starke Motor nur 13 kn schafft. Der Heimathafen ist Kiel. Auf diesem Schiff bildet die Marine ihren Nach-wuchs (auch Matrosinnen) aus. Es reprä-sentiert Deutschland hervorragend im Ausland.
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