Die Geschichte des KYC – Von der Gründung bis 1914

erstellt am: 03.09.2010 | von: redakteur | Kategorie(n): Allgemein, Geschichte, Historie

Die Herren Ferdinand GOSSE, W. STARKE, Peter BREUER und Arnold MERTENS gründeten unter Vorsitz des Herrn Josef COLLARDIN am 27. Januar 1900, dem Geburtstag des damaligen Kaiser Wilhelm II., den KÖLNER SEGLER CLUB.Als Aufenthaltsräume dienten einige Boxen im Bootshaus des Bootsbauers und Bootsverleihers SCHUPP, welcher mit dem Wachschiff der Firma RUBEN & BIELEFELD, sowie dem Bootshaus des Rudervereins 1877 an der Deutzer Werft unterhalb der Schiffsbrücke lag.

 

Auf Vermittlung von Herrn Wilhelm LIESEGANG, der mit seinem Schwertkreuzer “Zephyr” zum Club kam, ein Boot übrigens, auf welchem sämtliche Söhne des alten Herren nicht nur laufen, sondern auch segeln erlernten – wurde mit dem KÖLNER RUDERVEREIN von 1877 die Vereinbarung getroffen, dass die Mitglieder des KSC als unterstützende Mitglieder geführt wurden und deren Beitrag zahlten. Dafür überließen sie dem KSC einige Schränke im Bootshaus. Weitere neue Mitglieder, wie Franz BOHRER und der Rheinkapitän BRINKMANN, trugen zum aktiven Sportleben bei; sie nahmen am 8. September 1901 bei der vom Rhein-Segler-Verband zum ersten Mal veranstalteten Wettfahrt auf dem Niederrhein, ein Handicap von Bonn nach Köln, teil. Es beteiligten sich 21 Boote, hiervon fünf Kölner. Es wurden die ersten eigenen Boote beschafft. Weitgehend hat hier das neue KSC -Mitglied Baltes CONRAD, der Sohn des alten Bootsbauers Johann CONRAD, beigetragen. Er verlegte sich immer mehr auf den Neubau von Segelbooten, die er auch auf seiner neuen Werft in Sürth bis zu seinem Tode baute. Am 19. Dezember 1901 trennte sich der KSC vom KRV 77. 1902 erwarben die Herren COLLARDIN, BRANDHORST und RAUCH die damals größte Rheinyacht, den Schwertkutter “Kiebitz”, ca. 11,50 x 3,20 m. Mit diesem Boot und der “Aeolus” sowie der “Isolde” fuhren die drei größten und ansehnlichsten Kutter am Rhein unter dem Stander des Kölner Seglerclubs. Sie waren durch ihre komplette Takelage ausgezeichnete Schulschiffe. Der Club hatte inzwischen 1902 Unterkunft gefunden in Rodenkirchen in einem alten Landhaus, welches an der Stelle des jetzigen Hauses Homberg stand. In diesem Haus verfügte der Club gegen geringe Miete über ein sehr großes Zimmer, welches durch eine Reihe von Schränken und einen Versammlungsraum sowie Ankleideraum ergänzt wurde. Die Mitglieder verfügten außerdem über eine herrliche Rheinterrasse mit uraltem Baumbestand, Sommerlaube und eine alte Kegelbahn zur Unterbringung ihres Inventars.

Der Gedanke, nach Rodenkirchen zu gehen, hatte zuerst bei Ruderern und Seglern ein Lächeln hervorgerufen, da es für den echten Kölner damaliger Zeit unfassbar war, sich so weit von der Stadt zu entfernen. Da aber bald die Straßenbahn ihren Betrieb nach Rodenkirchen aufnahm, war die Schwierigkeit, nach Rodenkirchen zu kommen, behoben. Im Jahr darauf, 1903, zog auch der KRV 77 nach Rodenkirchen. Von da an begann der Aufschwung des Kölner Wassersports, der bis dahin seit dem Ausbau des Rheinauhafens und der Vertreibung vom Werthchen an der Deutzer Werftmauer vegetiert hatte. Es wurden die ersten clubinternen Wettfahrten veranstaltet. Am 13. Juli 1903 von der Gronau nach Rodenkirchen, wo man erstmalig einen Schlepper mietete, RM 45,- pro Tag. Dieser schleppte die Boote hoch und fuhr als Begleitschiff mit zurück. Damals wurde übrigens auch schon im Stadtwald gesegelt, und Clubboote beteiligten sich bei den so genannten “Vaterländischen Festspielen” auf dem Weiher, der damals noch nicht durch Baumwuchs eingedeckt war. Das Jahr 1902 ist noch insofern bemerkenswert, als es das erste Jahr war, in dem der Club sein selbständiges Eigenleben führte mit dem noch heute auf den Booten wehenden Stander, einer eigenen Satzung und eigenen Bootsräumen. Herr BOHRER wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt. In der Winterzeit traf man sich fast jeden Abend bei Toeller. Eine Schwierigkeit bot bei den Fahrten das Ausfahren der alten Deutzer Schiffsbrücke. Aber Brückenwächter und Segler waren gute Freunde, und für ein Trinkgeld wurden oft einige Joche ausgefahren. Übrigens zeigte sich unser Segler Ernst HILGERS, der den Ruf des verwegensten Kapitäns führte und Eigner der “Rheni” war, nach einem solchen Durchlass besonders dankbar, indem er mit seiner hierauf getrimmten Mannschaft eine freiwillige Kenterung unternahm. Die Boote lagen nunmehr unter der Kribbe an der alten Kapelle, in dem so genannten Seglerhafen. Im Mai 1907 wurde die letzte “Päädsbahn”, die die Strecke Neumarkt Klingelpütz – Ring – Flora befuhr, eingestellt. In diesem Jahr wuchs die Mitgliederzahl von 27 auf 52 aktive Mitglieder. Das Mitglied Arnold MERTENS (genannt “dä Nöll”) erwarb die drei so genannten Michelshüs’ chen, es handelte sich um drei neben der alten Kapelle gelegene alte Fachwerkhäuschen am Leinpfad. Gegen geringe Miete bezog der Club die Häuschen. Damit war das endgültige Domizil des Clubs gefunden. Mit enormer Begeisterung und Aufopferung wurden die Häuschen ausgebaut und zu einem gemütlichen Seglerheim gestaltet, der Flaggenmast errichtet und die Terrasse geschaffen. Wie von den älteren Mitgliedern berichtet, konnte man damals mit einem Goldstück in der Tasche schon eine Schlepptour nach dem Oberrhein wagen. Es wurden mit dem inzwischen gegründeten Düsseldorfer Yacht Club sowie dem Bonner Seglerverein Regattakämpfe ausgefochten. Das Clubleben hatte in diesen Jahren schon einen regelmäßigen Verlauf genommen. Die Saison wurde früh eröffnet durch eine Dampferfahrt nach Königswinter mit Festessen an Bord. Das Ansegeln nach Porz, die Pfingstfahrt nach Mainz und die Wettfahrten nach Bonn mit einem Festmahl im Rheineck mit ca. 100 Teilnehmern, Aussegeln der Wanderpreise der Herren VAN DER ZYPEN, Gustav STINNES und des Geheimrats Max VON GUILLEAUME, eine jährliche Wettfahrt ab Urfelder Wäldchen, dem ein Picknick vorausging und die Fahrt nach dem Herseler Werth. Es wurde ein Damenwettrudern in Beibooten veranstaltet und im Herbst eine Fahrt nach Remagen. Die meisten Regatten und Veranstaltungen der damaligen Zeit fanden im Rheingau statt. Hier hatte sich der Seglersport besser entwickelt und mit dem Wiesbadener Ruderclub, dem Frankfurter Ruderverein, der Offenbacher Undine unter Vorsitz des in Wiesbaden lebenden Admirals MENSING 1898 den Mittelrheinischen Segler-Verband, der sich aber bald Rheinischer-Segler-Verband nannte, gegründet. Unsere “Aeolus” und “Isolde” nahmen als größte Boote bei diesen Wettfahrten teil. Die Verbindung mit dem RSV hat sich jedoch mit der Zeit aufgelöst. Es ergab sich die Notwendigkeit für den Club, die segelsportlichen Kräfte am Niederrhein an sich zu ziehen. Dies gelang durch die Aufnahme von anderen Vereinigungen als körperschaftliche Mitglieder und als auswärtige Mitglieder. Der Duisburger Yacht Club , die Segelgilde und -riege des Kölner R. V. 77 und der Kölner Club für Wassersport traten als körperschaftliche Mitglieder 1908 bei. Vorsitzender war Wilhelm LIESEGANG, von 1908 bis 1911 Dr. Aug. PFAFF. Ab 1909 wurden die großen Wettfahrten mit Salondampfern und Musik an Deck begleitet. 1909 erwarb der Club auch zwei eigene Clubboote, er wurde ins Vereinsregister eingetragen, die Mitgliederzahl überschritt zum ersten Mal die 100, und es wurden 30 Boote registriert. In den Jahren 1910 und 1911 waren vor allen Dingen die großen gemeinsamen Regatten bemerkenswert, z. B. die Herbstregatta 1910, die 42 Boote an den Start brachte. CONRAD baute für Erich MANN den Kajütkreuzer “Alaaf”, der in der Saison 1911 das erfolgreichste Boot war. Um Überschneidungen der Regattatermine zu vermeiden, wurde nach Verhandlungen mit dem RSV, dem Bonner Seglerclub, dem Düsseldorfer Yacht Club und dem Kölner Seglerclub der “Wettfahrtenverband rheinischer Segler” unter der Bezeichnung WRS gegründet. Die Zahl der auf dem Rhein segelnden Bootstypen wurde immer größer, und das Problem der Bewertung bei gemeinsamen Regatten war zu lösen.

Die Kölner segelten nach dem Handicap -Verfahren. Es war schwer für die Handicap Kommission, die einzelnen Boote richtig zu bewerten. Besonders, wenn sich bisher unbekannte Fahrzeuge zur Regatta anmeldeten. Der Düsseldorfer Yacht Club arbeitete eine Messformel aus, unter der die Regatten des WRS ausgetragen wurden. In der Folgezeit erwies sich jedoch die gewählte Meßformel- wie überhaupt jegliche Messformel – bei dem gänzlich verschiedenartigen Bootsmaterial als unbrauchbar. Mancher Eigner eines schönen älteren Bootes ersah mit Erstaunen erst aus dem Regattaprogramm, dass der Rennwert seines Bootes mit dem Rennwert anderer, in der selben Klasse startenden Boote neuester Konstruktion ziemlich gleichwertig war. Man kam später deswegen wieder auf das Handicap zurück.
Im Jahre 1912 wurde nach heutiger Sicht ein glücklicher Beschluss in der Hauptversammlung vom 10.11.1912 gefasst. Unter Vorsitz von Erich MANN wurde entschieden, die drei gemieteten Häuschen mit Terrasse des Herrn Mertens als Eigentum zu erwerben. Nachdem anschließend hieran auch das angrenzende vierte Häuschen mit zugehöriger Terrasse käuflich erworben war, war der Club im Besitz des ganzen, neben der alten Kapelle gelegenen Blocks; sicher der schönste Punkt an der Rodenkirchener Rheinpromenade.

Übrigens konnte sich der Club 1907, als das Bauernhaus auf dem Grundstück der späteren Villa Kolvenbach geräumt werden mußte, nur schwer entschließen, die von Herrn MERTENS kurz entschlossen erworbenen Michelshäuschen zu beziehen. Der Ankauf durch den Club 1912 wurde durch hypothekarisch gesicherte Anteilscheine ermöglicht. 1913 stiftete erstmals die Stadt Köln Preise für Regattawettfahrten, und der Motorkreuzer “Lisbeth” des Herrn SCHLÖSSER und die “Gustel” bereicherte die Clubflotte. Die Mitgliederzahl stieg auf 176.

Der Vorstand schrieb unter den Architekten des Clubs einen Wettbewerb zur Neugestaltung der vier Michelshäuschen aus. Es wurden zwölf Arbeiten abgegeben. Der Ausbruch des Krieges 1914 zwang zur Zurückstellung dieses Vorhabens. Während des Krieges 1914/1918 trat ein vollständiger Stillstand des offiziellen Sportbetriebes ein. Es wurden nur vereinzelt kleinere Fahrten der älteren Herren und der Urlauber unternommen.


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