Bericht von Ilse Kiel und Heike Erlinghagen
Es gibt noch Menschen, die schon seit über 40 Jahren in Deutschland leben und noch nie auf Mallorca waren. Zwar nur einige, wie sich schon bei der Vorbesprechung zum diesjährigen Flotilla-Segeln des KYC zeigte, aber immerhin. Andere waren mit dem Revier seit Jahren vertraut, so dass gleich eine Diskussion startete, ob man rund Menorca, bis Ibiza segeln, eine oder mehrere Nächte einplanen sollte. Davon gänzlich unberührt war der Organisator des Ganzen, Vieth-Peter Kiel. Sein Hinweis: „Lasst uns doch erst einmal sehen, wie die Wetterlage sein wird und woher der Wind weht!“
Am Flughafen traf man sich in geselliger Runde, bei Sekt und diversen Häppchen wurde die Warterei kurzweilig. Schön auch die kurze Flugzeit. Dann in Mallorca wehte ein frisches Lüftchen. Als denn am Samstag, dem Tag der Bootsübernahme, der Wind immer mehr auffrischte, stand fest, dass zumindest das Schiff mit Skipper Frank Spottke und seiner Crew nicht noch am Nachmittag von C’an Pastilla zu den beiden anderen Booten nach Palma kommen würde. So brachte der Bus die übrigen zum Hafen von C’an Pastilla zum gemeinsamen Abendessen und besseren kennen lernen. Hier durften wir auch selbst sehen, wie die Gischt den Steg hinter der Mole immer wieder unter Wasser setzte. So war es fast unmöglich, undurchnässt zwischen Duschen und Booten hin- und herzukommen, die Menschen trugen bei lauer Luft ihr Ölzeug.
Die erste Nacht erleben wir im Catalonia Majorica. Ein schönes und ansprechendes 4 Sterne Haus in der Nähe von Porto Pi, dem Kreuzfahreranleger. Nahe bei befindet sich das Meteorologische Institut. Von hier kommen die Wettervorhersagen für Mallorca.
Die Schiffsübernahme erweißt sich als problemlos. Jeder richtet sich in seinem kleinen Reich ein. Der Weg zum nächsten großen Einkaufszentrum ist nicht weit und hier bekommt man einfach alles. Wir bunkern und vergessen fast, dass wir auch noch Essen gehen wollen. Die Backkisten sind gefüllt. Es kann losgehen.
Der erste Abend, an dem wir uns alle in C’an Pastilla treffen wollen, beginnt mit einer ordentlichen Konfusion. Aufgrund eines traditionelles Festes in Palma, von dem wir einiges mitbekommen, entfällt unsere Busfahrt. Mit dem Taxi geht es dann weiter. In C’an Pastilla ist Frank Spottke mit seiner Crew stationiert. Ein schnuckeliges Häfchen mit ordentlichen Duschen. Und das Restaurant hat einiges an Leckereien zu bieten. Der Abend hat es in sich und die Planung für den ersten Segeltag steht.
Cabrera Unser erstes Ziel steht fest und somit macht sich jeder auf dem Weg zur Naturschutzinsel Cabrera. Das milde Klima lädt zum abendlichen Bade in der großen und schönen Bucht ein. Selbstverständlich werden wir auch kontrolliert. Am anderen Tag bekommen wir die Chance die Insel bewandern zu dürfen. Also machen wir uns auf dem Weg zum 11 Km entfernten Leuchtturm „Faro de Punta Ansiola“. Von hier aus glauben wir auch, in der Ferne unseren Konfluenzpunkt zu erkennen, der noch als weißer Punkt auf der Landkarte verzeichnet ist.
Die traumhafte Bucht lud alle Crews zum Schwimmen ein, man konnte sich von Boot zu Boot besuchen. Sehr aufgeschlossen auch die dortigen Naturschützer, die uns eine Tour quer über die Insel zum gegenüberliegenden Leuchtturm empfahlen, um auf diese Art einen unmittelbaren Eindruck zu gewinnen. Fast alle haben den 11 km langen Weg auch geschafft, obwohl wir doch kein Wanderverein sind. Zur Erfrischung nach der Rückkehr bot die einzige Cantina der Ansiedlung selbst gemachte Sangria – und nur die, kein Wasser oder etwas anderes – so dass sich 15 durstige Kehlen recht flott über die vorhandenen Bestände hermachten. Die drei letzten Gläser gab der Wirt aus und schloss danach das Lokal für den Rest des Tages, vielleicht sogar der Woche. Beschwingt machten sich die drei Beiboote in mehreren Fuhren wieder auf den Rückweg zu den Booten, die vor Mooring lagen, und man war sich schnell einig, dass eine Weiterfahrt an diesem Tag nicht mehr gelohnt hätte.
Konfluenzpunkt 39°N und 3°O Der Morgen bringt zwei große Überraschungen. Wir haben einen Seehecht an Bord. Da hat sich doch glatt der Fisch verflogen. Er wird ausgenommen, in Stücke geteilt und gut verpackt. Wie sieht die Welt doch anders aus, wenn man an einer Mooring liegt und sich der Wind über Nacht gedreht hat. Nun können wir den anderen ins Wohnzimmer schauen.
Nur langsam kommen wir in Schwung und geben damit allen eine Chance, in dem wir mal wieder als Letzte loskommen. Den ersten haben wir Ruck Zuck eingeholt. Der zweite aber macht Ärger. Denn auch Vieth-Peter kann nicht verlieren und so gibt er richtig Gas.
Um 10:37 Uhr erreichen wir den Konfluenzpunkt unter Segeln. Doch bei 4-5 Windstärken und einem Seegang von 4-5 war eine exakte Ansteuerung nicht 100 %ig möglich. Sei es drum. Der Kölner Yacht Club hat einen weißen Punkt auf der Landkarte schwarz, rot, weiß angestrichen. Und auf der Internetseite www.confluence.org kann man unsere Moritaten bestaunen.
Zurück ging es dann auf einem raumen und später achterlichen Kurs nach Porto Pedro. Am späten Nachmittag treffen wir dort ein.
Porto Pedro Porto Pedro ist ein anschauliches Städtchen ganz in der Nähe von Cala D’Or. Wir kaufen ein paar Vorräte zu und machen uns einen gemütlichen Abend. Heute wird es nicht so spät werden, denn morgen geht es nach Sa Rapita.
La Rapita Auf die Plätze fertig los. Die Regatta geht weiter. Und wieder kommen wir nicht in die Puschen. Dafür fahren wir weit aufs Meer hinaus. Denn irgendwann wollen wir unseren Blister setzen. Der Wind ist angenehm. Aber der Blister will nicht. Warum?
Wir kommen als zweite ans Ziel. Vieth-Peter empfängt uns mit seiner Video-Kamera. Unser Anlegemanöver wird demnächst zu Schulungszwecken verwendet. Nachdem alles soweit klariert ist, untersuchen wir den Blister untersuchen.
Im Hafen von La Rapita gibt es herrlich viele Duschen. Es wird ausgenutzt. Zu dieser Jahreszeit sind die Hafengeschäfte geschlossen und zum Einkauf geht man deshalb in das nahe Städtchen. Hier ist die Auswahl riesig. Alles vorhanden für eine ordentliche Paella. Was so harmlos mit einer Pfanne anfängt hört ganz brutal mit drei Pfannen Paella auf. Selbst unsere Esserprobten Männer sind satt geworden. Aber der Nachtisch, frisches Milcheis, passt noch.
Von La Rapita ging es in einem langen Schlag, der uns auch die erhoffte Dunkelfahrt brachte, nach Puerto de Andraitx. Die „Mar Salada“ unter Skipperin Heike Erlinghagen war zuerst da und organisierte die Liegeplätze für die beiden weiteren Boote, denn auch dieser Hafen war sehr ausgelastet. Abends traf man sich zum gemeinsamen Fischessen im Restaurant und ließ gemeinsam den Törn ausklingen, denn am nächsten Tag musste jedes Schiff wieder den Ausgangshafen auf-suchen
Blisterfahren Na, wer hätte das gedacht. Der Wind ist gerade richtig, um endlich den Blister zu hissen. Er steht. Unter Land geht es schneller. Wollen wir aber nicht. Dafür hängen wir drei Festmacherleinen mit Fender über Bord an denen Hans Wilhelm, Günther und Rolf-Albert den Freischwimmer machen können.
Holger bekocht die Crew. Spaghetti in Olio con Herbes und Panne. Anschließend ein Kilo an verschiedenen Käsesorten und dazu ein bisschen Wein. Für unser Abendessen lassen wir noch etwas Platz im Bauch.
Wir erreichen unseren Ausgangspunkt. Mit einem gefüllten Sektkübel werden wir an den richtigen Mooringplatz gelockt, denn Alboran weiß seine Chartergäste gut zu betreuen. Doch mit der Übergabe beginnt das Abschiednehmen.
Der letzte gemeinsame Abend auf Mallorca bricht an und wir bemühen uns, die restlichen Lebensmittel biologisch zu vernichten. Hans Wilhelm kocht mal wieder. Es gibt Gambas im Überfluß. Anschließend ein zart ausgebackenes Fischfilet mit Reis. Dazu Salat und Gemüse. Nachtisch?! Diesmal verzichten wir nach diesem leckeren und üppigen Mahl darauf. Es geht einfach nichts mehr.
Der neue Morgen beginnt sonnengleich den anderen Urlaubtage. Die Trennung rückt näher und gern sagt man dann auch bis nächsten Donnerstag. Drückt sich und gleichzeitig eine kleine Träne weg und geht nach einer Woche wieder getrennte Wege.
Adios Amigos und buenos dias im Club.
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