Kurz nach Karneval in diesem Jahr fängt sie an, meine Geschichte vom Segeln...
Wie die Jungfrau zum Kinde, könnte man sagen, bin ich zum Segeln gekommen. Ich hatte zwar schon von vielen Freunden und Bekannten und nicht zuletzt auch aus der eigenen Familie gehört, wie wunderbar dieser Sport ist, aber ich war noch nie in das Vergnügen gekommen, mich selbst davon zu überzeugen.
Dann kam überraschend das Angebot im Frühjahr diesen Jahres den SBF Binnen über den KYC zu machen. Erst war ich etwas unsicher, weil ich ja gar nicht wusste, ob es mir Spaß machen würde. Schließlich entschied ich mich aber, es drauf ankommen zu lassen. In jedem Fall würde ich einen Einblick in eine neue Welt bekommen und Gelegenheit haben mit netten Leuten viel an der frischen Luft und am bzw. auf dem Wasser zu sein. Diese Aussicht gefiel mir und alles Weitere würde man dann sehen...
Nach der ersten Infoveranstaltung Anfang März, wurden unserer kleinen Truppe (5 junge Damen und 4 junge Herren) die Termine für die Theoriestunden mitgeteilt und wir einigten uns mit Hilfe und organisiert durch unsere Sailing Instruktoren Thomas und Michael Burgwinkel und Christof Tenckhoff auf diverse Praxistermine, an denen wir nach Ophoven zum Sail-Center Limburg fahren würden, um uns dort in die Geheimnisse des Segelns einweihen zu lassen.
Schon in den ersten Theoriestunden wurde uns klar, dass es sich beim Segeln tatsächlich um eine ziemlich “geheimnisvolle“ Sportart handeln muss, wir verstanden nämlich nur Bahnhof. Fast alle aus unserer Truppe, hatten so gut wie keine bis gar keine Segelerfahrung und trotz Lesevorbereitung hielt sich das Verständnis zunächst weitgehend in Grenzen. So waren wir schon froh, wenn wir Vokabular aus der uns vollkommen neuen Seglersprache halbwegs korrekt anwenden konnten. Die erste Gelegenheit dazu hatten wir, als Mitte April damit begonnen wurde, die Boote des KYC aus dem Winterlager zu holen und auf die kommende Saison vorzubereiten. Nun konnte man sich live und nicht nur auf Bildern im Lehrbuch ansehen und erinnern, welche Teile am Boot bzw. der Jolle wie aussehen, wofür sie da sind und wie sie heißen. Bei der Gelegenheit haben unsere Instruktoren Thomas und Christof dann auch gleich mal eine der Jollen aufgeriggt, damit wir Schüler auch Wanten, Dirk, Schoten und Fallen (Segel wurden natürlich noch nicht angeschlagen) schon mal in echt gesehen hatten.
Am Maifeiertag war es dann endlich so weit, die erste Fahrt nach Ophoven stand an. Da wir in der Zwischenzeit von unseren Theorie-Lehrern schon einige Geschichten vom Kentern gehört hatten, hatten wir natürlich vorsorglich Wechselklamotten eingepackt. Bei herrlichstem Sonnenschein trafen wir gegen 10h am Sail-Center ein und bei Kaffee und Butterbroten gab uns Thomas zuerst mal eine theoretische Einführung in die Segelpraxis. Ein paar der wichtigsten Knoten hatten wir bereits zu Hause geübt und nachdem wir unser Können mehr oder weniger überzeugend demonstriert hatten und wir in der Theorie noch mal die verschiedenen Kurse, Manöver und Kommandos besprochen hatten, ging es dann runter zum Steg.
Nachdem wir unsere Jollen paddelnderweise zunächst zum Ablegesteg rüber gebracht hatten, wurden wir von Thomas und Christof instruiert, wie man diese korrekt auftakelt und fahrbereit macht. Ja, und dann ging es los. Nacheinander machten wir unsere ersten Erfahrungen an der Pinne und der Vorschot. Rechts ist links und links ist rechts (oh sorry, meine natürlich back- u. steuerbord)... Abfallen??? Anluven??? Hä??? Von wo kommt der Wind??? Wie ist die korrekte Position des Rudergängers??? Fieren oder dicht holen??? Puh, dank unserer absolut kompetenten, ruhigen und geduldigen Instruktoren, hat doch alles ganz gut geklappt (für’s erste Mal) und wir sind alle unbeschadet (auch die Jollen) wieder am Steg angekommen. Zum Abschluss unseres ersten “Praxistages“ genossen wir auf der Terrasse des Sail-Centers dann noch ein leckeres Grimbergen.
So verbrachten wir die nächsten paar Wochen damit uns auf die Prüfungen vorzubereiten und paukten in den Theoriestunden, mit dem Lehrbuch, den Fragebögen und Tim Köster (Geheimtipp im Internet). In Ophoven arbeiteten wir daran, die vielen Fragezeichen in unseren Köpfen in Ausrufezeichen zu verwandeln und ein besseres Verständnis und Gefühl für Wind und Tuch zu bekommen, sowie zur rechten Zeit die richtigen Kommandos zu geben und zu beantworten. Besonders intensiv konnten wir dies tun, als wir ein Wochenende komplett dort verbrachten und im Tegelhuisje übernachteten, wo wir eine sehr schöne Zeit bei einem extrem lustigen und leckeren Grillabend hatten, dessen Denkwürdigkeit sich nicht zuletzt in einigen musikalischen Darbietungen manifestierte.
Auch wenn manch einer zwischendurch seine Zweifel hatte und kurz davor war die Flinte ins Korn zu werfen, hat es letztlich doch bei uns allen “KLICK“ gemacht und wir haben alle die Prüfungen bestanden und sind nun stolze Besitzer des SBF Binnen Segel und Motor und haben somit nun die “license to try“. Vielen Dank noch mal an alle, die es möglich gemacht haben!
Es hat uns allen wahnsinnig viel Spaß gemacht und wir bleiben ganz sicher am Ball (weitere Scheine sind in Planung). Einige von uns haben dann im September sogar schon als Rookies beim Köln Cup 2009 auf dem Ijsselmeer teilgenommen, wo wir uns auch durchaus respektabel geschlagen haben. Diese Saison wollen wir Ende Oktober noch mit einem Absegeln in Ophoven beenden und freuen uns schon sehr auf die anstehende Saison 2010. Flönz-Kapp wir kommen!
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