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Dr. Holmer Vogel, SY Solveig
Am 24. Juni ist
es endlich soweit. Der jährliche Segeltörn mit meinen Segelkameraden Karin und
Martin steht an; seit 1992 segeln wir jährlich einen Törn auf der Ostsee oder der
Nordsee zusammen. Nach einer mehr als turbulenten beruflichen „busy season“ und
mehrmaligem Verschieben aller Zeit- und Törnpläne haben wir endlich unser
gemeinsames Zeitfenster gefunden. Leider sind nur 9 Tage von unseren gewohnten
14 Tagen übrig geblieben. Aber immerhin, der Freude tut es keinen Abbruch!
Unser Plan sieht vor, von Vlieland aus in einem Rutsch bis Helgoland
durchzuziehen, um dann in Tagesetappen zurück in meinen Heimathafen Workum am
Ijsselmeer zu trödeln.
Dort liegt meine
Malö 34 bereits im 7. Jahr direkt am Kanal Het Zoal. Sie ist mit allem
ausgerüstet, was für einen größeren Törn notwendig ist. Mehrfach waren wir mit
ihr bereits in England, dem Kap Horn des deutschen Fahrtenseglers, wie eine
deutsche Segelzeitschrift einmal schrieb. Jetzt soll es ein Törn längs der
niederländischen und deutschen Küste werden. Bis auf das Radar arbeiten alle
Systeme einwandfrei. Der Radarbildschirm zeigt in der Mitte in einer Range von
0,8 sm keine Echos. Bislang haben wir die Ursache nicht herausfinden können.
Antenne und Display – Einheit sind jedenfalls in Ordnung, wahrscheinlich liegt
der Fehler in der Verkabelung. Na ja, wir können damit leben. Erstmals ziert
ein Kartenplotter meine Navigationsecke, der mir schon über Ostern gute Dienste
in der niederländischen Waddenzee geleistet hat.
Letztlich sind
wir segelklar. Die Notrollen sind wie immer verteilt und hängen sichtbar an der
Toilettentür. Nachts und ab Windstärke 5 Bft wollen wir Rettungswesten tragen.
Ein Mann über Bord – Manöver soll mit Hilfe des Motors gefahren werden.
Am ersten Tag
steht traditionell nur ein kurzer Schlag auf dem Plan. Wir wollen den Stress
des Berufsalltages nicht mit in den Urlaub nehmen, also auf nach Makkum in die
Beton – Marina. Um 19.00 Uhr sind unsere Landleinen fest und in der Pantry
entfaltet sich der andere Teil unseres Urlaubes. Seit Euro – Umstellung meiden
wir weitgehend die niederländische Gastronomie. Das Preisniveau treibt uns
jedes Mal die Zornesröte ins Gesicht. Die Marktwirtschaft scheint aber zu
funktionieren. Henk im Workumer Yachthafen ist pleite gegangen (leider !!) und
die Pyramide im Makkumer Yachthafen ist heute auch fast ganz leer. Die
Gastwirte selbst scheinen aber noch nichts begriffen zu haben oder sind Spare
Ribbs für 17,50 € normal? Das waren einmal ca. 34,00 DM. Uns ist es nicht
recht, aber wir haben im Laufe der letzten Jahre daraus eine „Tugend“
entwickelt, nämlich eine eigene Bordküche. Sie zeichnet sich durch frische
Produkte aus, die schnell und mit wenig Topfeinsatz zu leckeren Resultaten
führt. Außerdem macht es Spaß mit mehreren Leuten zu kochen und sich dabei
unterhalten zu können. Da ich ungern Zwiebel schäle und hacke, bin ich für
Martins Hilfsdienste sehr dankbar. So wird manchmal auch der Koch zum Kapitän!
Nachmachen dringend empfohlen; wer Anregungen benötigt, dem sei Holger Vogt´s
Kochseminar im Kölner Yachtclub wärmstens ans Herz gelegt. Heute liefert die
fixe Bordküche jedenfalls wunderbar zarte marinierte Lammfilets (kann man von
zuhause luftdicht eingeschweißt mitnehmen und halten sich auch mehrere Tage
ohne Kühlschrank) mit Ratatouille – Gemüse und italienischen Bandnudeln. Dazu
gibt es ein gutes, dunkelrotes Tröpfchen aus dem Rioja, na ja und gegen 03.30
in der Frühe noch ein Aspirin - vorsichtshalber. War gut so!
Die Tide ist uns
gnädig; Kornwerderzand hat erst gegen 10.30 Uhr Hochwasser, so dass wir unsere
Kräfte sammeln können, um die große Seeschleuse (Lorentzsluise) rechtzeitig zu
passieren. Es ist ein herrlicher Morgen, strahlender Sonnenschein aber mit
nördlichen Winden um Stärke 4. Wir packen meine neue Genua III aus und tauschen
sie gegen die Genua I. Auf dem Weg zur Insel Vlieland müssen wir viel kreuzen;
die G III bewährt sich hervorragend, denn wir brauchen viel weniger Kraft an
den Winschtrommeln und sie ist schneller auf dem neuen Bug. Gegen Mittag zieht
hohe Cirrus – Bewölkung aufund als wir
am späten Nachmittag im Vlieländer Passantenhaven ins Päckchen gehen fällt aus
einer dichten Stratusdecke feiner Nieselregen, der den ganzen Abend anhält.
Alles wirkt sofort trist und öde; die Menschen warten auf besseres Wetter. Abends
liefert die Bordküche indisches Putencurry an Basmati – Reis. Auch der Wein
schmeckt schon wieder. Diesmal ist es ein Vernaccia aus der Toskana.
Der Montag
empfängt uns trist; es regnet den ganzen Tag – Landregen, Nieselregen, kurze
Pause und das ganze Programm wieder von vorne. Der Himmel ist eine einheitlich
graue, breiige Masse – Warmfrontwetter. Das ist kein Wetter, wo man einen Hund
durchjagen soll, sagen die Niederländer. Warum dann also uns, wir beschließen
einen Hafentag. Erst gegen Abend bekommt der Himmel eine Wolkenstruktur. Ob
sich da etwa besseres Wetter ankündigt? Es windet ziemlich. Der Wetterbericht
hat für fast alle Seegebiete der Nord – und Ostsee Stark- bzw Sturmwindgefahr
herausgegeben - Deutsche Bucht NE 6, NW bis W drehend 5 – 6, zeitweise 7. Wir
wollen die Rückseite abwarten. Um dem Bordkoller entgegen zu wirken, wandern
wir nachmittags im Nieselregen ins Dorf. Ein Kopje Koffie und ein Bessen –
Genever heben die Stimmung etwas an. Im Übrigen kaufen wir die Inkredenzien für
Martins schon legendäre Spaghetti Bolognese ein. Ich esse sie für mein Leben
gerne. So findet dann wieder einmal eine schöne Bordparty statt.
Der Mittelfrist
– Seewetterbericht des DWD sagt für morgen, den 27. Juni, auf W drehende Winde
voraus. Ab Mittag soll der Wind dann in seiner Stärke auf 3 Bft abnehmen. Ab
Freitag soll er sich dann aber auf E bis SE mit Stärke 5 – 6 einpendeln. Das
ist unser Wetterfenster, wenn wir noch Helgoland erreichen wollen.
Am
Dienstagmorgen hat der Himmel sein Stratocumulus – Kleid angezogen, aber es ist
wenigstens trocken. Der Wind ist noch heftig. Noch einmal schnell den aktuellen
Wetterbericht von DDH 47 abfragen: immer noch Stark- und Sturmwindgefahr für
die Deutsche Bucht, bis heute Mitternacht noch NW 5, dann später NW 4. Von den
Azoren hat sich ein Hochkeil auf den Weg zu uns gemacht. Morgen Mittag soll er
schon im Themsegebiet sein. Das lässt hoffen und wir machen uns um 10.00 Uhr
auf den Weg nach Helgoland. Zunächst müssen wir aber das nach NW führende
Fahrwasser des Stortemelk bezwingen. Wir haben eine Ahnung, was uns dort
erwartet – starker Strom, Wind von vorne, also kreuzen bei hoher relativer
Windgeschwindigkeit, hoher Windsee und dann noch auslaufendes Wasser gegen den
Wind. Wir sind entsprechend vorbereitet, die Rettungswesten haben wir angelegt.
Erst gegen 13.00 Uhr können wir endlich den Kurs nach NE richten und haben
damit das schlimmste hinter uns. Am späten Nachmittag schläft der Wind fast
ein, so dass noch der Spinnacker zum Einsatz kommt. Um 19.00 reist der Himmel
auf und erstmals zeigen sich blaue Flecken, die immer mehr zunehmen. Ich steige
nun in die Pantry herab und bereite meinen traditionellen Kartoffel – Lauch
Eintopf vor, den wir dann im Cockpit mit Wohlgenuss verspeisen.
In Deutschland
läuft die Fußball – Weltmeisterschaft. Alles ist mittlerweile im „Klinsi“ –
Fieber. Ausgerechnet Martin, der sich sonst überhaupt nicht für Fußball
interessiert, bringt beim Abendessen die Sprache darauf. Er hat ausgerechnet,
dass wir Freitagnacht wahrscheinlich auf der Rückreise sein werden, wenn wir
unseren Helgolandplan verwirklichen. Und dann spiele doch Deutschland gegen
Argentinien um den Einzug in das Halbfinale. Das könne man sich unmöglich
entgehen lassen. In Fragen der Seemannschaft entscheidet der Skipper, in Fragen
der Reiseplanung der Bordrat. So haben wir es immer gehalten und sind gut damit
gefahren. Da die Mitglieder des Bordrates schon im Cockpit versammelt sind,
können wir den Antrag zur Tagesordnung direkt entscheiden. Wir setzen um 21.00
Uhr Kurs auf Norderney ab, um dann rechtzeitig auf Borkum am Freitag dieses
Viertelfinalspiel sehen zu können. So hat denn auch das WM – Fieber die
Besatzung der SOLVEIG erfasst. Die
Deutschlandflagge müssen wir ja nicht mehr extra setzen.
Der Hafen von
Norderney kann von Westen kommend über das Fahrwasser Schluchter erreicht
werden. Um 02.30 erreichen wir etwas nach Hochwasser die Tonne Schluchter.
Eigentlich ideal um das Flach zu überqueren. Leider sehen wir nichts, dafür
hören wir aber umso mehr, nämlich brechende Wellen. Der Seegang ist noch enorm,
obwohl der Wind fast ganz eingeschlafen ist. Längst sind die Segel geborgen und
wir fahren unter Motor. Die Fahrwassertonnen sind gänzlich unbeleuchtet. Die
niedrigste Kartentiefe im Schluchter ist mit 1,90 m ausgezeichnet. Bei dieser
Dünung wollen wir nicht bis zur Niedrigwasserzeit warten, andererseits ohne
Sicht wagen wir die Durchfahrt auch nicht. Selbst auf den Seekartenplotter
wollen wir uns nicht verlassen. Zu nahe liegen die Sandbänke am Fahrwasser. Da
bietet uns der GPS – geführte Kartenplotter keine wirkliche Hilfe. Also
abwarten und Teetrinken, aber uns läuft das Wasser langsam davon. Wir hoffen
auf die Dämmerung, die um 04.00 Uhr beginnen soll. Mit bloßem Auge ist auch um
04.00 Uhr noch nichts zu erkennen. Martin bewaffnet sich mit dem Fernglas und
sieht plötzlich die erste und nur die erste rote Fahrwassertonne. So wollen wir
es wagen: ich an der Seekarte mit Vorgabe der groben Peilrichtung, Martin am
Fernglas und Karin am Ruder. Mit ganz langsamer Fahrt und Blick auf das Echolot
schleichen wir uns in das Fahrwasser hinein. Karin steuert blind den Kurs, den
Martin über den eingebauten Peilkompass vorgibt. Zum ersten Mal in 20 Jahren
tut das Steiner wirklich gute Dienste. Um uns herum brechen die Wellen und wir
schauckeln durch das Wasser. Plötzlich rutscht die Wassertiefe auf dem Echolot
kräftig herab. Unsere Nerven sind bis zum Reißen angespannt. Dann erkennt
Martin endlich die nächste rote Fahrwassertonne. Den Steuerkurs leicht ändern
und darauf zuhalten. Um 05.00 Uhr sind wir endlich durch und wieder im tiefen
Fahrwasser. Ich höre Steine der Erleichterung plumpsen. Um 05.50 Uhr machen wir
nach 99 sm im Yachthafen von Norderney fest. Wir finden sogar eine freie Box,
die gerade von einer schwedischen Yacht frei gemacht wird. Das Anlegebierchen schmeckt
heute besonders gut. Dann geht es ab in die Kojen!
Als wir
aufwachen ist das Hoch endlich da und das Sommermärchen kann beginnen. Wir
erkunden nachmittags bei tiefblauem Himmel das 1797 gegründete erste deutsche
Seebad. Norderney ist nicht nur das älteste, sondern auch das eleganteste aller
Inselbäder. Das junge Seebad erlebte durch Georg V, den König von Hannover,
seinen gewaltigen Aufschwung. Es zog ihn jeden Sommer auf die Insel und mit ihm
kam der ganze Hofstaat, für den bald standesgemäße Unterkünfte geschaffen
wurden. Nach 1866 wurde das kleine Königreich Hannover von Preußen einverleibt.
Doch die Prominenz hielt der Insel die Treue. Neben dem preußischen Kanzler
Bismarck waren auch Fürst von Bülow, Theodor Fontane und Heinrich Heine zu Gast
auf der Insel, der auf der Margaretenhöhe seine Nordseegedichte schrieb. „Das
Meer hat seine Perlen, der Himmel hat seine Sterne ….“
Am Donnerstag,
den 29. Juni, laufen wir mit dem Nachmittags – Hochwasser bei strahlendem
Sonnenschein und Wind aus NE Stärke 4 Bft Richtung Borkum aus. Es wird ein
traumhafter Segeltag. In die Ems geht es am Wind mit rauschender Fahrt hinein.
Vor der Borkumer Promenade werden wir von Karin´s Freund Thomas auf seinem
Katamaran Eisvogel erwartet. Er ist dort mit zahlenden Gästen unterwegs. Wir
drehen bei und halten einen kurzen Schnack von Reling zu Reling. Plötzlich
wirft er eine Jutetüte, die mit einem Fender verbunden ist, über Bord, und ruft
uns zu, das sei unser Anlegebierchen. Wir müssten es uns aber erst verdienen.
Wir wollen die Innung nicht blamieren und fischen sie mit einem erstklassigen
MOB – Manöver (Hamburger – Manöver) unter Segeln aus dem Wasser. Wir sind stolz
und seinen Gästen wurde etwas geboten. Um 22.00 Uhr sind die Landleinen fest
und wir genießen das Anlegebierchen. Später kommt Thomas noch zu uns an Bord;
wir feiern das Wiedersehen und kommen erst spät ins Bett. Am anderen Morgen
haben uns die Heinzelmännchen eine Tüte Brötchen auf´ s Deck gelegt.
Heute ist der
Tag der Tage! Deutschland spielt heute Abend gegen Argentinien um den Einzug in
das Halbfinale. Vorher mieten wir uns aber erst einmal bei Luc, dem netten Hafenmeister,
Fahrräder und erkunden bei strahlend blauem Himmel die Insel. Fernab vom Trubel
des Seebades ist Borkum eine unglaublich stille und schöne Insel, besonders im
Osten. Vom Rosenhügel hat man einen wunderschönen Blick auf die Inseln Memmert
und Juist. Heute steht uns der Sinn aber auch nach Trubel. Um 17.00 Uhr checken
wir uns im Hotel Vier Jahreszeiten direkt an der Strandpromenade ein. Hier
haben wir eine megagroße Leinwand gefunden und noch einen guten Sitzplatz
ergattert. Die ganze Stadt ist voller Fußballfans, die mit ihren schwarz – rot
– goldenen Farben ein buntes Bild abgeben. Der Fußballgeist pulsiert auch
mächtig auf der Insel Borkum. Anstoß! Das Spiel ist spannend und wird intensiv
geführt, insgesamt aber nicht auf sonderlich hohem Niveau. Erst in der 2.
Hälfte entfaltet es seine volle Dramatik. 1 : 0 in der 49. Minute durch Robert
Ayala für Argentinien! Als alles schon danach aussieht, als würde Argentinien
seinen knappen Vorsprung über die Zeit bringen, gelingt in der 80. Minute Miro
Klose per Kopfball noch der Ausgleich. Der Jubel im Hotel ist unbeschreiblich. Die
Verlängerung bleibt torlos und es kommt zum Elfmeterschießen, in dem unser
Torhüter Jens Lehmann zum gefeierten Helden wird. Gegen Roberto Ayala und
Esteban Cambiasso kann er zwei Elfmeter halten. Deutschland gewinnt 4 : 2 und
steht im Halbfinale gegen Italien. Finaaaaaaale, oh hohoho …… wir fahren nach
Berlin! Auch wir können uns dieser Stimmung nicht verschließen und singen
kräftig mit.
Der nächste
Morgen kommt bestimmt. Mit etwas brummigem Kopf akzeptieren wir das Klingeln
des Weckers. Um 04.10 stehen wir bei Hochwasser in der Fischerbalje und laufen
bei schwachen Winden mit ablaufendem Wasser durch das Hubertsgat Richtung
Terschelling oder Vlieland. Bald steht der Spinnacker und bringt uns dem Ziel
immer näher. Heute ist Samstag, das Wetter ist bombig und wir ahnen was uns in
Holland erwartet. Bereits um 15.00 meldet die Verkeerscentrale Brandaris über
VHF Kanal 2, dass der Hafen von Vlieland voll ist. Zu dieser Zeit stehen wir im
Stortemelk, dem Seegat zwischen den Inseln Vlieland und Terschelling. Leider
zur falschen Zeit, denn wir haben auslaufendes Wasser. Bei östlichen Winden 2 –
3 Bft versuchen wir den Stortemelk aufzukreuzen. Vergebliche Mühen! Der
auslaufende Strom ist so stark, dass wir nach einer Stunde immer noch auf
derselben Stelle stehen. Also Motor an und schnell die Segel geborgen! Wir
sehen immer noch Scharen von Segelbooten nach Vlieland ziehen. Für uns ist der
Fall klar; wir entscheiden, den Hafen von West - Terschelling anzulaufen, den
wir gegen 21.00 Uhr erreichen. Auch hier ist es voll, aber wir finden einen
Platz in einem Päckchen mit einem holländischen Nachbarn. Zwei Damen schauen
uns beim Anlegen mit großen Augen schweigend an, ebenso rührt der Skipper keine
Hand. Als unsere Leinen fest sind, erklärt er uns in unfreundlichstem Ton, er
wolle morgen früh um 07.00 Uhr ablegen. Kein Problem, ruft Martin, er würde ihm
auch als Dank für die Hilfe beim Anlegen die Frühstücksbrötchen mitbringen. Mit
finsterer Miene verschwindet unser holländischer Nachbar unter Deck. Wir lassen
uns die Stimmung nicht vermiesen und genießen den herrlichen Abend an Bord.
Karin macht schnell noch herrliche Dipps (Tunfischsoße, Paprika, Oliven). Dazu
trinken wir einen kühlen italienischen Weißwein aus der Toskana. Wir wollen
morgen auf jeden Fall früh weg, um dem Gedränge in der Schleuse von
Kornwerderzand zu entgehen. Pünktlich um 07.00 Uhr lösen wir unsere Leinen.
Leider ist unser Nachbar auch schon wach. Von Ablegen aber keine Spur! Seine
beiden Begleiterinnen gucken noch recht verschlafen mit dem Kulturbeutel unter
dem Arm aus dem Niedergang. Sie schauen nicht so aus, als wollten sie ohne
Dusche und Frühstück los. Ich schaue dem holländischen Skipper tief in die
Augen und verkneife mir einen scharfen Kommentar, der mir auf der Zunge liegt.
Ich hoffe, er hat meinen Blick auch so verstanden.
Na ja, unser
Vorteil ist, wir sind die ersten die mit auflaufendem Wasser gen Kornwerderzand
starten. Heute Nachmittag ist dort bestimmt die Hölle los. So freuen wir uns
wenigstens darüber. Wir kommen super durch die Schleuse, direkt mit dem ersten
Schwung, noch kein hektisches Geschiebe und Gedränge undkaum Wartezeit. So geht dieser Törn leider
seinem Ende entgegen, aber wir freuen uns schon auf das nächste Jahr. |