|  Druckversion
 
Home
 
 
Termine
 
 
Club Spiegel
 
 
Jugend / Opti-Cup
 
 
Verein / Intern
 
 
Rheinsegeln / Rheinwoche
 
 
Fahrtensegeln / Reiseberichte
 
 
Bildergalerie
 
 
Freunde / Sponsoren
 
 
Kontakt / Impressum
 
 
Clubschiffe
 
 
Ausbildung
 
 
Regatta / Köln Cup
 
 
Login
 

Home : Fahrtensegeln / Reiseberichte : Deutschland ein Sommermärchen

Deutschland ein Sommermärchen

Bericht über einen Nordsee - Segeltörn vom 24. Juni bis 02.Juli 2006

Dr. Holmer Vogel, SY Solveig

Am 24. Juni ist es endlich soweit. Der jährliche Segeltörn mit meinen Segelkameraden Karin und Martin steht an; seit 1992 segeln wir jährlich einen Törn auf der Ostsee oder der Nordsee zusammen. Nach einer mehr als turbulenten beruflichen „busy season“ und mehrmaligem Verschieben aller Zeit- und Törnpläne haben wir endlich unser gemeinsames Zeitfenster gefunden. Leider sind nur 9 Tage von unseren gewohnten 14 Tagen übrig geblieben. Aber immerhin, der Freude tut es keinen Abbruch! Unser Plan sieht vor, von Vlieland aus in einem Rutsch bis Helgoland durchzuziehen, um dann in Tagesetappen zurück in meinen Heimathafen Workum am Ijsselmeer zu trödeln.

Dort liegt meine Malö 34 bereits im 7. Jahr direkt am Kanal Het Zoal. Sie ist mit allem ausgerüstet, was für einen größeren Törn notwendig ist. Mehrfach waren wir mit ihr bereits in England, dem Kap Horn des deutschen Fahrtenseglers, wie eine deutsche Segelzeitschrift einmal schrieb. Jetzt soll es ein Törn längs der niederländischen und deutschen Küste werden. Bis auf das Radar arbeiten alle Systeme einwandfrei. Der Radarbildschirm zeigt in der Mitte in einer Range von 0,8 sm keine Echos. Bislang haben wir die Ursache nicht herausfinden können. Antenne und Display – Einheit sind jedenfalls in Ordnung, wahrscheinlich liegt der Fehler in der Verkabelung. Na ja, wir können damit leben. Erstmals ziert ein Kartenplotter meine Navigationsecke, der mir schon über Ostern gute Dienste in der niederländischen Waddenzee geleistet hat.

Letztlich sind wir segelklar. Die Notrollen sind wie immer verteilt und hängen sichtbar an der Toilettentür. Nachts und ab Windstärke 5 Bft wollen wir Rettungswesten tragen. Ein Mann über Bord – Manöver soll mit Hilfe des Motors gefahren werden.

Am ersten Tag steht traditionell nur ein kurzer Schlag auf dem Plan. Wir wollen den Stress des Berufsalltages nicht mit in den Urlaub nehmen, also auf nach Makkum in die Beton – Marina. Um 19.00 Uhr sind unsere Landleinen fest und in der Pantry entfaltet sich der andere Teil unseres Urlaubes. Seit Euro – Umstellung meiden wir weitgehend die niederländische Gastronomie. Das Preisniveau treibt uns jedes Mal die Zornesröte ins Gesicht. Die Marktwirtschaft scheint aber zu funktionieren. Henk im Workumer Yachthafen ist pleite gegangen (leider !!) und die Pyramide im Makkumer Yachthafen ist heute auch fast ganz leer. Die Gastwirte selbst scheinen aber noch nichts begriffen zu haben oder sind Spare Ribbs für 17,50 € normal? Das waren einmal ca. 34,00 DM. Uns ist es nicht recht, aber wir haben im Laufe der letzten Jahre daraus eine „Tugend“ entwickelt, nämlich eine eigene Bordküche. Sie zeichnet sich durch frische Produkte aus, die schnell und mit wenig Topfeinsatz zu leckeren Resultaten führt. Außerdem macht es Spaß mit mehreren Leuten zu kochen und sich dabei unterhalten zu können. Da ich ungern Zwiebel schäle und hacke, bin ich für Martins Hilfsdienste sehr dankbar. So wird manchmal auch der Koch zum Kapitän! Nachmachen dringend empfohlen; wer Anregungen benötigt, dem sei Holger Vogt´s Kochseminar im Kölner Yachtclub wärmstens ans Herz gelegt. Heute liefert die fixe Bordküche jedenfalls wunderbar zarte marinierte Lammfilets (kann man von zuhause luftdicht eingeschweißt mitnehmen und halten sich auch mehrere Tage ohne Kühlschrank) mit Ratatouille – Gemüse und italienischen Bandnudeln. Dazu gibt es ein gutes, dunkelrotes Tröpfchen aus dem Rioja, na ja und gegen 03.30 in der Frühe noch ein Aspirin - vorsichtshalber. War gut so!

Die Tide ist uns gnädig; Kornwerderzand hat erst gegen 10.30 Uhr Hochwasser, so dass wir unsere Kräfte sammeln können, um die große Seeschleuse (Lorentzsluise) rechtzeitig zu passieren. Es ist ein herrlicher Morgen, strahlender Sonnenschein aber mit nördlichen Winden um Stärke 4. Wir packen meine neue Genua III aus und tauschen sie gegen die Genua I. Auf dem Weg zur Insel Vlieland müssen wir viel kreuzen; die G III bewährt sich hervorragend, denn wir brauchen viel weniger Kraft an den Winschtrommeln und sie ist schneller auf dem neuen Bug. Gegen Mittag zieht hohe Cirrus – Bewölkung aufund als wir am späten Nachmittag im Vlieländer Passantenhaven ins Päckchen gehen fällt aus einer dichten Stratusdecke feiner Nieselregen, der den ganzen Abend anhält. Alles wirkt sofort trist und öde; die Menschen warten auf besseres Wetter. Abends liefert die Bordküche indisches Putencurry an Basmati – Reis. Auch der Wein schmeckt schon wieder. Diesmal ist es ein Vernaccia aus der Toskana.

Der Montag empfängt uns trist; es regnet den ganzen Tag – Landregen, Nieselregen, kurze Pause und das ganze Programm wieder von vorne. Der Himmel ist eine einheitlich graue, breiige Masse – Warmfrontwetter. Das ist kein Wetter, wo man einen Hund durchjagen soll, sagen die Niederländer. Warum dann also uns, wir beschließen einen Hafentag. Erst gegen Abend bekommt der Himmel eine Wolkenstruktur. Ob sich da etwa besseres Wetter ankündigt? Es windet ziemlich. Der Wetterbericht hat für fast alle Seegebiete der Nord – und Ostsee Stark- bzw Sturmwindgefahr herausgegeben - Deutsche Bucht NE 6, NW bis W drehend 5 – 6, zeitweise 7. Wir wollen die Rückseite abwarten. Um dem Bordkoller entgegen zu wirken, wandern wir nachmittags im Nieselregen ins Dorf. Ein Kopje Koffie und ein Bessen – Genever heben die Stimmung etwas an. Im Übrigen kaufen wir die Inkredenzien für Martins schon legendäre Spaghetti Bolognese ein. Ich esse sie für mein Leben gerne. So findet dann wieder einmal eine schöne Bordparty statt.

Der Mittelfrist – Seewetterbericht des DWD sagt für morgen, den 27. Juni, auf W drehende Winde voraus. Ab Mittag soll der Wind dann in seiner Stärke auf 3 Bft abnehmen. Ab Freitag soll er sich dann aber auf E bis SE mit Stärke 5 – 6 einpendeln. Das ist unser Wetterfenster, wenn wir noch Helgoland erreichen wollen.

Am Dienstagmorgen hat der Himmel sein Stratocumulus – Kleid angezogen, aber es ist wenigstens trocken. Der Wind ist noch heftig. Noch einmal schnell den aktuellen Wetterbericht von DDH 47 abfragen: immer noch Stark- und Sturmwindgefahr für die Deutsche Bucht, bis heute Mitternacht noch NW 5, dann später NW 4. Von den Azoren hat sich ein Hochkeil auf den Weg zu uns gemacht. Morgen Mittag soll er schon im Themsegebiet sein. Das lässt hoffen und wir machen uns um 10.00 Uhr auf den Weg nach Helgoland. Zunächst müssen wir aber das nach NW führende Fahrwasser des Stortemelk bezwingen. Wir haben eine Ahnung, was uns dort erwartet – starker Strom, Wind von vorne, also kreuzen bei hoher relativer Windgeschwindigkeit, hoher Windsee und dann noch auslaufendes Wasser gegen den Wind. Wir sind entsprechend vorbereitet, die Rettungswesten haben wir angelegt. Erst gegen 13.00 Uhr können wir endlich den Kurs nach NE richten und haben damit das schlimmste hinter uns. Am späten Nachmittag schläft der Wind fast ein, so dass noch der Spinnacker zum Einsatz kommt. Um 19.00 reist der Himmel auf und erstmals zeigen sich blaue Flecken, die immer mehr zunehmen. Ich steige nun in die Pantry herab und bereite meinen traditionellen Kartoffel – Lauch Eintopf vor, den wir dann im Cockpit mit Wohlgenuss verspeisen.

In Deutschland läuft die Fußball – Weltmeisterschaft. Alles ist mittlerweile im „Klinsi“ – Fieber. Ausgerechnet Martin, der sich sonst überhaupt nicht für Fußball interessiert, bringt beim Abendessen die Sprache darauf. Er hat ausgerechnet, dass wir Freitagnacht wahrscheinlich auf der Rückreise sein werden, wenn wir unseren Helgolandplan verwirklichen. Und dann spiele doch Deutschland gegen Argentinien um den Einzug in das Halbfinale. Das könne man sich unmöglich entgehen lassen. In Fragen der Seemannschaft entscheidet der Skipper, in Fragen der Reiseplanung der Bordrat. So haben wir es immer gehalten und sind gut damit gefahren. Da die Mitglieder des Bordrates schon im Cockpit versammelt sind, können wir den Antrag zur Tagesordnung direkt entscheiden. Wir setzen um 21.00 Uhr Kurs auf Norderney ab, um dann rechtzeitig auf Borkum am Freitag dieses Viertelfinalspiel sehen zu können. So hat denn auch das WM – Fieber die Besatzung der SOLVEIG erfasst. Die Deutschlandflagge müssen wir ja nicht mehr extra setzen.

Der Hafen von Norderney kann von Westen kommend über das Fahrwasser Schluchter erreicht werden. Um 02.30 erreichen wir etwas nach Hochwasser die Tonne Schluchter. Eigentlich ideal um das Flach zu überqueren. Leider sehen wir nichts, dafür hören wir aber umso mehr, nämlich brechende Wellen. Der Seegang ist noch enorm, obwohl der Wind fast ganz eingeschlafen ist. Längst sind die Segel geborgen und wir fahren unter Motor. Die Fahrwassertonnen sind gänzlich unbeleuchtet. Die niedrigste Kartentiefe im Schluchter ist mit 1,90 m ausgezeichnet. Bei dieser Dünung wollen wir nicht bis zur Niedrigwasserzeit warten, andererseits ohne Sicht wagen wir die Durchfahrt auch nicht. Selbst auf den Seekartenplotter wollen wir uns nicht verlassen. Zu nahe liegen die Sandbänke am Fahrwasser. Da bietet uns der GPS – geführte Kartenplotter keine wirkliche Hilfe. Also abwarten und Teetrinken, aber uns läuft das Wasser langsam davon. Wir hoffen auf die Dämmerung, die um 04.00 Uhr beginnen soll. Mit bloßem Auge ist auch um 04.00 Uhr noch nichts zu erkennen. Martin bewaffnet sich mit dem Fernglas und sieht plötzlich die erste und nur die erste rote Fahrwassertonne. So wollen wir es wagen: ich an der Seekarte mit Vorgabe der groben Peilrichtung, Martin am Fernglas und Karin am Ruder. Mit ganz langsamer Fahrt und Blick auf das Echolot schleichen wir uns in das Fahrwasser hinein. Karin steuert blind den Kurs, den Martin über den eingebauten Peilkompass vorgibt. Zum ersten Mal in 20 Jahren tut das Steiner wirklich gute Dienste. Um uns herum brechen die Wellen und wir schauckeln durch das Wasser. Plötzlich rutscht die Wassertiefe auf dem Echolot kräftig herab. Unsere Nerven sind bis zum Reißen angespannt. Dann erkennt Martin endlich die nächste rote Fahrwassertonne. Den Steuerkurs leicht ändern und darauf zuhalten. Um 05.00 Uhr sind wir endlich durch und wieder im tiefen Fahrwasser. Ich höre Steine der Erleichterung plumpsen. Um 05.50 Uhr machen wir nach 99 sm im Yachthafen von Norderney fest. Wir finden sogar eine freie Box, die gerade von einer schwedischen Yacht frei gemacht wird. Das Anlegebierchen schmeckt heute besonders gut. Dann geht es ab in die Kojen!

Als wir aufwachen ist das Hoch endlich da und das Sommermärchen kann beginnen. Wir erkunden nachmittags bei tiefblauem Himmel das 1797 gegründete erste deutsche Seebad. Norderney ist nicht nur das älteste, sondern auch das eleganteste aller Inselbäder. Das junge Seebad erlebte durch Georg V, den König von Hannover, seinen gewaltigen Aufschwung. Es zog ihn jeden Sommer auf die Insel und mit ihm kam der ganze Hofstaat, für den bald standesgemäße Unterkünfte geschaffen wurden. Nach 1866 wurde das kleine Königreich Hannover von Preußen einverleibt. Doch die Prominenz hielt der Insel die Treue. Neben dem preußischen Kanzler Bismarck waren auch Fürst von Bülow, Theodor Fontane und Heinrich Heine zu Gast auf der Insel, der auf der Margaretenhöhe seine Nordseegedichte schrieb. „Das Meer hat seine Perlen, der Himmel hat seine Sterne ….“

Am Donnerstag, den 29. Juni, laufen wir mit dem Nachmittags – Hochwasser bei strahlendem Sonnenschein und Wind aus NE Stärke 4 Bft Richtung Borkum aus. Es wird ein traumhafter Segeltag. In die Ems geht es am Wind mit rauschender Fahrt hinein. Vor der Borkumer Promenade werden wir von Karin´s Freund Thomas auf seinem Katamaran Eisvogel erwartet. Er ist dort mit zahlenden Gästen unterwegs. Wir drehen bei und halten einen kurzen Schnack von Reling zu Reling. Plötzlich wirft er eine Jutetüte, die mit einem Fender verbunden ist, über Bord, und ruft uns zu, das sei unser Anlegebierchen. Wir müssten es uns aber erst verdienen. Wir wollen die Innung nicht blamieren und fischen sie mit einem erstklassigen MOB – Manöver (Hamburger – Manöver) unter Segeln aus dem Wasser. Wir sind stolz und seinen Gästen wurde etwas geboten. Um 22.00 Uhr sind die Landleinen fest und wir genießen das Anlegebierchen. Später kommt Thomas noch zu uns an Bord; wir feiern das Wiedersehen und kommen erst spät ins Bett. Am anderen Morgen haben uns die Heinzelmännchen eine Tüte Brötchen auf´ s Deck gelegt.

Heute ist der Tag der Tage! Deutschland spielt heute Abend gegen Argentinien um den Einzug in das Halbfinale. Vorher mieten wir uns aber erst einmal bei Luc, dem netten Hafenmeister, Fahrräder und erkunden bei strahlend blauem Himmel die Insel. Fernab vom Trubel des Seebades ist Borkum eine unglaublich stille und schöne Insel, besonders im Osten. Vom Rosenhügel hat man einen wunderschönen Blick auf die Inseln Memmert und Juist. Heute steht uns der Sinn aber auch nach Trubel. Um 17.00 Uhr checken wir uns im Hotel Vier Jahreszeiten direkt an der Strandpromenade ein. Hier haben wir eine megagroße Leinwand gefunden und noch einen guten Sitzplatz ergattert. Die ganze Stadt ist voller Fußballfans, die mit ihren schwarz – rot – goldenen Farben ein buntes Bild abgeben. Der Fußballgeist pulsiert auch mächtig auf der Insel Borkum. Anstoß! Das Spiel ist spannend und wird intensiv geführt, insgesamt aber nicht auf sonderlich hohem Niveau. Erst in der 2. Hälfte entfaltet es seine volle Dramatik. 1 : 0 in der 49. Minute durch Robert Ayala für Argentinien! Als alles schon danach aussieht, als würde Argentinien seinen knappen Vorsprung über die Zeit bringen, gelingt in der 80. Minute Miro Klose per Kopfball noch der Ausgleich. Der Jubel im Hotel ist unbeschreiblich. Die Verlängerung bleibt torlos und es kommt zum Elfmeterschießen, in dem unser Torhüter Jens Lehmann zum gefeierten Helden wird. Gegen Roberto Ayala und Esteban Cambiasso kann er zwei Elfmeter halten. Deutschland gewinnt 4 : 2 und steht im Halbfinale gegen Italien. Finaaaaaaale, oh hohoho …… wir fahren nach Berlin! Auch wir können uns dieser Stimmung nicht verschließen und singen kräftig mit.

Der nächste Morgen kommt bestimmt. Mit etwas brummigem Kopf akzeptieren wir das Klingeln des Weckers. Um 04.10 stehen wir bei Hochwasser in der Fischerbalje und laufen bei schwachen Winden mit ablaufendem Wasser durch das Hubertsgat Richtung Terschelling oder Vlieland. Bald steht der Spinnacker und bringt uns dem Ziel immer näher. Heute ist Samstag, das Wetter ist bombig und wir ahnen was uns in Holland erwartet. Bereits um 15.00 meldet die Verkeerscentrale Brandaris über VHF Kanal 2, dass der Hafen von Vlieland voll ist. Zu dieser Zeit stehen wir im Stortemelk, dem Seegat zwischen den Inseln Vlieland und Terschelling. Leider zur falschen Zeit, denn wir haben auslaufendes Wasser. Bei östlichen Winden 2 – 3 Bft versuchen wir den Stortemelk aufzukreuzen. Vergebliche Mühen! Der auslaufende Strom ist so stark, dass wir nach einer Stunde immer noch auf derselben Stelle stehen. Also Motor an und schnell die Segel geborgen! Wir sehen immer noch Scharen von Segelbooten nach Vlieland ziehen. Für uns ist der Fall klar; wir entscheiden, den Hafen von West - Terschelling anzulaufen, den wir gegen 21.00 Uhr erreichen. Auch hier ist es voll, aber wir finden einen Platz in einem Päckchen mit einem holländischen Nachbarn. Zwei Damen schauen uns beim Anlegen mit großen Augen schweigend an, ebenso rührt der Skipper keine Hand. Als unsere Leinen fest sind, erklärt er uns in unfreundlichstem Ton, er wolle morgen früh um 07.00 Uhr ablegen. Kein Problem, ruft Martin, er würde ihm auch als Dank für die Hilfe beim Anlegen die Frühstücksbrötchen mitbringen. Mit finsterer Miene verschwindet unser holländischer Nachbar unter Deck. Wir lassen uns die Stimmung nicht vermiesen und genießen den herrlichen Abend an Bord. Karin macht schnell noch herrliche Dipps (Tunfischsoße, Paprika, Oliven). Dazu trinken wir einen kühlen italienischen Weißwein aus der Toskana. Wir wollen morgen auf jeden Fall früh weg, um dem Gedränge in der Schleuse von Kornwerderzand zu entgehen. Pünktlich um 07.00 Uhr lösen wir unsere Leinen. Leider ist unser Nachbar auch schon wach. Von Ablegen aber keine Spur! Seine beiden Begleiterinnen gucken noch recht verschlafen mit dem Kulturbeutel unter dem Arm aus dem Niedergang. Sie schauen nicht so aus, als wollten sie ohne Dusche und Frühstück los. Ich schaue dem holländischen Skipper tief in die Augen und verkneife mir einen scharfen Kommentar, der mir auf der Zunge liegt. Ich hoffe, er hat meinen Blick auch so verstanden.

Na ja, unser Vorteil ist, wir sind die ersten die mit auflaufendem Wasser gen Kornwerderzand starten. Heute Nachmittag ist dort bestimmt die Hölle los. So freuen wir uns wenigstens darüber. Wir kommen super durch die Schleuse, direkt mit dem ersten Schwung, noch kein hektisches Geschiebe und Gedränge undkaum Wartezeit. So geht dieser Törn leider seinem Ende entgegen, aber wir freuen uns schon auf das nächste Jahr.