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Home : Geschichte des Kölner Yacht Club : Sporthäfen für Köln

Sporthäfen für Köln

Wie ein roter Faden zieht sich der Wunsch nach einem Sporthafen durch die Geschichte des Clubs. Immer wieder haben die Vorsitzenden nach einer Lösung dieses Problems gesucht. Nun hat Herr HÖLZEL 1968 eine Studie zur Nutzung des Rheinauhafens als Yachthafen und des Werthchens als Wohngebiet ausgearbeitet. Nur in Verbindung beider Gedanken sah er die Möglichkeit, die Hilfe der Stadtväter zu erhalten. Dem Wunsch von Rat und Verwaltung, dem "Wohnen am Strom", entsprachen diese Überlegungen. Zudem würde diese häßliche Stelle in der Innenstadt bereinigt, und es könnten Wohnungen für fast 10000 Bürger sowie Bürobauten, Cafes, Restaurants und unsere Sportanlage für 400 Boote in einem geschützten, stadtnahen Hafen entstehen. HÖLZEL verteilte 500 Exemplare dieser Studie an die Vertreter der Stadt, der Verwaltung, der Presse und an weitere Personen, die sich für dieses Projekt interessierten. Auf seinen Antrag wurde vom Wasser- und Schifffahrtsamt am 25. 11. 1968 der Rheinauhafen als Schutz- und Sicherheitshafen für die Rheinschifffahrt für Hochwasser und Eisgang freigegeben. Ein erster Erfolg! Im Herbst 1968 trug er seine Überlegungen im Rathaus den Fraktionen der Stadt vor und fand deren Unterstützung. In der letzten Ratssitzung 1968 wurde der Antrag der SPD zur Verfügungstellung des Hafens für die Sportschifffahrt für das Jahr 1970 angenommen. Ein lang, lang ersehntes Ziel war erreicht, wenn auch noch viele Jahre vergehen werden, bis der Rheinauhafen sein neues Bild gewonnen haben wird.
In unserer Hauptversammlung vom 13.3.1969 konnte keine Mehrheit zum Abschluß eines Vertrages mit der Stadt gefunden werden. Es wurde die Weiterführung des laufenden Projektes Sporthafen Rodenkirchen, das sich ebenfalls kurz vor einer Durchführungsmöglichkeit befand, beschlossen. Der Hauptgrund für die Mehrzahl der Clubmitglieder, dem zweiten Projekt zuzustimmen, ist die Tatsache, dass die kleinen Boote nur sehr schwer die Strecke von der Hafenmündung Rheinauhafen bis zu dem für Segel- und Motorbootwanderungen geeigneten Teil von Rodenkirchen stromaufwärts überwinden können. Der Wellengang der Stromschifffahrt von den langen Kaimauern bis zur Südbrücke wird wie ein Echo zurückgeworfen und bildet ein so unruhiges Wasser, dass die Boote kaum zu halten sind. Segelboote können aus eigener Kraft diese Strecke nicht überwinden. So haben unsere Freunde vom Kölner Autbord- und Motoryacht Club e. V. als erste ihren Stander im Rheinauhafen gehißt. Sie haben zwischenzeitlich den Vertrag mit der Stadt geschlossen, und sie haben den Malakoffturm als Clubhaus von der Stadt gemietet.
Der Sporthafen in Rodenkirchen ist ein uralter Wunsch der Segler. In den zwanziger Jahren hatte Oberbürgermeister Dr. ADENAUER bereits den Durchstich des Sürther Bogens erwogen. Herr Dr. BUSCH hat in der Zeit seiner Vereinsführung ein Hafenprojekt verfolgt und der Presse vorgeführt. HÖLZEL hat im Mai 1966 mit Hilfe des Wasser- und Schifffahrtsamtes die Pläne für eine Hafenanlage mit Clubhaus ausgearbeitet. Sie sind in hochwasseraufsichtlicher Hinsicht vom Wasser- und Schifffahrtsamt genehmigt worden. Die Angebote der Baufirmen schlossen seinerzeit mit 1,8 Mio. HÖLZEL erwirkte im Schreiben vom 4. 4. 1968 des Herrn Regierungspräsidenten von Köln die Genehmigung nach § 74 und § 76 LWG, die Genehmigung nach dem WasserStraßengesetz § 31 war vom Wasser- und Schifffahrtsamt zugesagt worden. Im Schreiben vom 31. 5. 1966 stellte der Minister für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr den Verkauf des Geländes zu einem für den Club annehmbaren Preis in Aussicht.
Mit vielen Firmen wurde verhandelt, schließlich kam ein vertragsreifes Angebot mit den Unternehmern zustande. Hiernach waren noch DM 650 000,- zu finanzieren. Eine Kölner Bank sagte eine Hypothek zu. Die Opferbereitschaft der Mitglieder sowie die Beteiligung der befreundeten Clubs sicherten die Finanzierung. Was fehlte, war die Zustimmung der Gemeinde Rodenkirchen, die die bauliche Genehmigung erteilen mußte. In der Gemeinderatssitzung vom 28. 10. 1969 wurde dem Bau des Hafens zugestimmt. Damit schien auch diesem Projekt der Erfolg gesichert. Über die Belegung der bei den Häfen bestand keine Sorge, zumal sich die Liegeplätze der jetzigen Clubmitglieder und unserer Freunde auf eine Rheinstrecke bis 100 km stromaufwärts und stromabwärts erstreckten. Angeregt durch zwei Anwohner des in Frage kommenden Sporthafengeländes und durch die geschickte Verbindung mit dem von der Gemeinde geplanten Hochwasserschutzdamm gelang es den Gegnern dieses Projektes mit Unterstützung des redegewandten Wortführers, dem Journalisten Werner HÖFER, in einem Hearing am 20. 3. 1970, die Ratsmitglieder umzustimmen. In einer Gemeinderatssitzung wurde der vor wenigen Wochen gefaßte Beschluß aufgehoben und die Genehmigung zur Bebauung des Sporthafens zurückgezogen. Wird für uns und die Gemeinde Rodenkirchen diese Chance noch einmal wiederkehren? Voller Hoffnung auf den Hafen hatten wir unser 70jähriges Bestehen noch im Saal des
Tennis- und Hockey-Clubs Rot-Weiß gefeiert und alle Honoratioren eingeladen! - vergebens! Das interne Clubleben ist indessen durch das Eintreten vieler neuer Mitglieder in den Jahren 1971, 1972 und 1973 unruhiger geworden.
Sie sind meist Schüler unserer Sportseeschifferschule, die in dieser theoretisches Wissen erlangt haben und nun tatendurstig nach der Praxis rufen!
Ihnen diese zu bieten ist schwer. Die "Wappen" ist eine kränkliche Dame geworden, sie wurde schließlich 1930 gebaut und zeigt bedenkliche Symptome im Achtersteven, so dass der Vorstand sie im September 1971 verkauft hat. Für ein clubeigenes Schiff muß ein Mann da sein, der dieses Boot wie sein eigenes behandelt, mit der gleichen Liebe und dem gleichen Arbeitsaufwand, wie dies Ludwig MAGER und nach ihm Dieter RAAB getan haben. Beide Herren haben inzwischen eigene Boote.
Ein neuer Mann ist nicht zu finden, wer kann das auch!? Aus den Absolventen der Schule, die das Sporthochseeschiffer-Patent erlangt haben, bildet sich eine Gruppe, die die "See-Segler-Gilde im KYC" gründet. Mit dem Geld vom Erlös der "Wappen" beteiligt sich der Club mit 4 Anteilen gleich DM 28000,-. Dafür steht das Boot den Mitgliedern 4 Wochen im August zur Verfügung.
Während die "Atlantis" Überseetörns fährt, segelt die "Orion", so heißt das Schiff der Gilde, auf der Nordsee und nimmt an internationalen Regatten wie Newports-Breskens, Round the Grodwins, Gold Cap Race, Harwich-Ostende, Ramsgate-Ostende teil. Sie wird nach Abschluß der Regatta vom 19. 8.1973 in Ramsgate durch den damaligen Premierminister Heath gewürdigt. Die "Orion", 1970/71 bei Camper & Nickelson gebaut, kann aber internationaler Konkurrenz nicht standhalten, da bei den Spitzenregatten fast jährlich Neubauten zum Einsatz kommen und ein drei Jahre altes Boot schon ein Veteran ist - es geht eben um Minuten!
1972/73 sind die wesentlichen Merkmale des Clublebens:
1 . Die ersten Donnerstage in jedem Monat, an denen entweder ein Film gezeigt, ein Vortrag gehalten oder überhaupt die Mitglieder informiert werden über die anstehenden Probleme und die bevorstehenden sportlichen Ereignisse. Von diesen Donnerstagen wird den Mitgliedern besonders in Erinnerung geblieben sein der Besuch des Autors des "Segler Gustav", Herrn KRAUS, der uns mit seinen Dias und launigen Geschichten erfreute.
Am 22. 2. 1973 war der Einhandsegler der Atlantikregatta England - USA, Claus HEHNER, bei uns und hielt einen Film- und Dia-Vortrag. Ferner werden viele Filme von weiten und nahen Urlaubstörns sowie von Törns auf der "ATLANTlS" und der "LADY HO" des Herrn Hölzel im Mittelmeer gezeigt, die vielen mitgesegelten Mitgliedern Freude bereitet haben.
2. Die Teilnahme an der Rheinwoche. Der KYC hat für die Teilnahme an der Schwertzugvogel-Klasse einen Werner-Geyr-Gedächtnispreis in Erinnerung an unseren verstorbenen Schatzmeister gestiftet. Es gelingt Ralf SIEBENHAAR mit Ehrenvorschotmann Dr. BUSCH, diesen dreimal hintereinander zu gewinnen. Auch haben sich J. POHLAN mit "Rasputin" einen 2. Preis, K. SCHULZ mit "Pitt" einen 1 . Preis und B. OSTERMANN und P. SIEBENHAAR (Vorschotmann) einen 1. Preis holen können.
Die Teilnehmer wurden an der schwimmenden Bootsanlage verpflegt und am Nachmittag unter den Klängen unserer Jungband wieder auf die Reise geschickt. Die Organisation dieser Rheinwoche hat stets Paul SIEBENHAAR, er ist auch für die Abwicklung des Segelns mit unseren Booten "Albertina", "Bettina" und "Pitt" bei den Freunden auf dem Liblarer See verantwortlich. Schließlich wissen wir auch die Instandhaltung dieser Boote bei ihm in fachsicherer Hand. Jedem Mitglied stehen diese Boote zur Verfügung, leider ist ein Andrang bisher nicht entstanden. Um so eifriger werden diese Boote von den uns angeschlossenen Schülerriegen genutzt.
3. An den Donnerstag-Clubabenden ohne Programm haben sich wieder beständige Stammtischrunden gebildet. Die einen diskutieren über das nächste Ziel ihres Törns, die anderen teilen die Besetzung der "Atlantis" auf deren Routen ein, besprechen die Flugreisen und alles, was an Vorbereitungen für einen Törn getan werden muß, schließlich werden Schulinformationen gegeben, die Freunde des DHH haben ihren Tisch, und neue Mitglieder wollen informiert werden.
4. Wie in jedem Jahr nehmen die meisten Bootseigner, die ihre Schiffe in Köln liegen haben, an der Fronleichnamsprozession teil. "Die Mülheimer Gottestracht" hat eine lange Tradition. Im Jahre 1246 feierte der Bischof Robert von Lüttich zum ersten Mal das Fronleichnamsfest. Schon achtzehn Jahre später führte Papst Urban IV das Fest für die gesamte römisch-katholische Kirche ein. Seit dieser Zeit wird es am Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitssonntag begangen. Fronleichnam - das bedeutet Leib des Herrn. Die Eucharistie wird in feierlicher Prozession durch die Straßen der Städte und Dörfer getragen und stellt so eine eindrucksvolle Bekundung des Glaubens und der Anbetung dar. Im Jahre 1277, so vermeldet es die Chronik, zog von St. Gereon die erste Fronleichnamsprozession durch die Straßen Kölns.
Seit dem 14. Jahrhundert feiert auch Mülheim, damals eine selbständige Gemeinde vor den Toren Kölns, seine Schiffsprozession, die sogenannte "Gottestracht". Eskortiert von vielen Booten, fährt das geschmückte Sakramentschiff mit Priestern und Gläubigen das Mülheimer Rheinufer ab, von Mülheim zur ehemaligen Stadtgrenze an der jetzigen Zoobrücke, zurück bis zur nördlichen Stadtgrenze und von dort wieder zurück zur Mülheimer Clemenskirche. An Bord wird gebetet und gesungen und Gottes Segen über Strom und Land erbeten. Mit weithin hörbaren Böllerschüssen wird der Zug von den Mülheimer St. Sebastianus Schützen begleitet, die ihr jährliches Schützenfest um Fronleichnam feiern. Als Mülheim 1914 nach Köln eingemeindet wurde, verlor es zwar seine Selbständigkeit. Die ehedem bergische "Freiheit" ging zu Ende. Aber die Gottestracht ist bis heute geblieben und nach wie vor ein fester Bestandteil christlichen Brauchtums, an dem wir Sportschiffer jährlich teilnehmen. 5. Das Absegeln wurde wie in all den Jahren in Monnickendam (Ijsselmeer) durchgeführt. Wie immer stellte Wilhelm VOSSWINKEL mit seiner WILDKATZ das Schiff für den Start und die Regattaleitung. Er führte auch die Zunft der Motorbootfahrer im Club.