Nachkriegszeit bis 1979

erstellt am: 04.09.2010 | von: redakteur | Kategorie(n): Allgemein, Geschichte, Historie

Der Krieg hatte den Club bis zu seinem Bestand in den Gründungsjahren zurückgeworfen. Noch schwerer als wir waren unsere Nachbarvereine, der Kölner Club für Wassersport und der Kölner Ruderverein von 1877 sowie der Ruderclub Germania, getroffen. Ihre Clubhäuser und Bootshäuser waren alle Opfer des Krieges geworden. Unser Clubhaus war zerstört.

Zunächst mussten alle Lecks des alten, havarierten Bootshauses wieder gedichtet, Spanten und Planken erneuert werden. Die Führung des Clubs übernahm 1947 Herr Richard LIESEGANG, der Sohn des Herrn Wilhelm LIESEGANG, der von 1906 bis 1908 Vorsitzender war und dessen “PASSAT”, der von ihm 1936 ausgebaute, bei Abeking & Rasmussen gebaute Seenotrettungskreuzer “Daniel Denker”, viele Jahre am Bootshaus des Clubs lag. Mit alten Clubkameraden begann er den Wiederaufbau.

Am 28. 8. 1947 waren Club- und Wirtschaftsräume notdürftig hergestellt. Um die sportliche Ausbildung brauchte er sich keine Sorgen zu machen, sie lag in den Händen von Hans BOISSEREE, der seit einem Vierteljahrhundert seine Boote von Regatta zu Regatta führte und mit dem einzigen Jugendlichen der Kriegszeit, Dr. BUSCH, dem späteren Präsidenten, einen Assistenten hatte. BOISSEREE sowie die Herren HAMMEL und LIESEGANG hatten ihre Boote vor Zerstörung retten wollen und auf die Lahn nach Balduinstein verholt. Die Boote dienten zeitweise als Unterkunft für die evakuierten Seglerfamilien aus Köln. Nach dem Krieg wurden sie von den Franzosen nicht gut behandelt und erst nach langen Verhandlungen den Eignern zur Benutzung im franz. Sektor, der in Oberwinter endete, freigegeben. Natürlich fanden die Herrn eine Gelegenheit, ihre Boote in den amerikanischen Sektor schleppen zu lassen und in den Heimathafen nach Köln zurückzubringen! Die ersten Neubauten, Piratenjollen und Schwalben wurden vom Bootsbauer Conrad WEISS auf Kiel gelegt.

Regatten wurden schon 1947 wieder regelmäßig abgehalten. HEINZ HAMMEL richtete als Sportwart die erste Rheinwoche für den KYC aus. Im Rheingau, in Walluf, trafen sich die Segler aus Bonn und Düsseldorf. Hier ist die einzige Möglichkeit, auf dem Rhein bei entsprechendem Wind und der dort geringen Strömung gegen den Strom zu segeln! Bis zu 7 Skipper mit ,,45er Nationale Kreuzer” trafen sich dort, “Frithjof P 8″ und “Hanseat P 78″ gehörten zum Kölner Seglerclub.
Die erste Wettfahrt konnte mit unseren Düsseldorfer, Bonner und Niederwallufer Kameraden an diesem Tage mit zahlreichen Booten durchgeführt werden. Die Berufsrheinschifffahrt war noch gering, um so unbesorgter konnte 1948 und 1949 gesegelt werden!

Die Mitglieder feierten nach dem Krieg die erste Bootstaufe und die Auslieferung eines von A&R gebauten “45 Nationalen Kreuzer”. A&R (Abeking & Rasmussen, Lemwerder), eine der weltbesten Werften, die eine Ausbildungsabteilung für Bootsschreiner mit 60 Lehrlingen unterhielt und die Segelboote von Spitzenqualität bauten. Die alten Feste des St. Nikolaus, des Jahreswechsels sowie der beliebte Schifferball während der Karnevalstage wurden wieder ins Leben gerufen. Wir konnten sogar dem Kölner Club für Wassersport, der sein schönes Bootshaus auf dem Rhein verlor, unsere Gastfreundschaft bis zur Veräußerung unseres inzwischen nicht mehr seetüchtigen Bootshauses gewähren. Unsere eigenen Boote fanden an der schwimmenden Anlage des Kölner Motor Yachtclubs bewachte Liegemöglichkeiten. Das größte Problem für Herrn LIESEGANG war zunächst eine Generalrenovierung des Clubhauses. In diesem bereits zweimal umgebauten, dauernd renovierten Haus standen noch hundert Jahre alte Lehmwände und Decken. Trotz nicht gesicherter Finanzierung wurde mit dem Umbau begonnen. Schon die ersten Abbrucharbeiten zeigten, dass es sich nicht um eine Verschönerung, sondern um eine dringende Notwendigkeit handelte. Die Lebensdauer der Mauern und Decken war längst überschritten; die Hochwasserwellen hatten das ihre zur Aushöhlung des Rohbaues beigetragen. Erfreulicherweise hat Architekt BAUMANN sich mit der Gestaltung ganz der dominierenden Kapelle untergeordnet und dem Haus damit den endgültigen, jetzigen Charakter verliehen. Das morsche Holzgitter als Einfriedung der Clubterrasse wurde durch eine Steinmauer, die Heinz GREIN auf seine Kosten ersetzen ließ, ausgewechselt. Im Herbst 1949 konnte der Richtbaum gesetzt werden.

Zum 24./25. September 1949 richtete der Regattaverein anlässlich der Bundesfeier eine Ausfahrt aller Wasserfahrzeuge nach Bonn aus. Diese Sternfahrt galt dem Bundespräsidenten Professor HEUSS und Bundeskanzler ADENAUER, der zugleich Ehrenvorsitzender des Kölner Regattavereins war. Die beliebtesten Clubtreffen nach dem Krieg bis in die 50er Jahre waren die Familiären Zusammenkünfte der Segler an den Wochenenden in Hersel, Km 662,5. Bei gutem Wasserstand auch in der Siegmündung, Km 659,3, oder in Rheydt, Km 663,9. Hersel war beliebt, weil es auf der Insel eine Frischwasserpumpe und Walnussbäume gab! Zur Sonnwendfeier wurde per LKW Holz aus Köln herangekarrt. Der Fährmann brachte es für ein Trinkgeld zur Insel. An verlängerten Wochenenden trafen sich die Segler in Grafenwerth bei Honnef. Für die Segler galt es, sich an einen Schlepper oder ein Schnellschiff anzuhängen, denn unter Segel waren diese Treffpunkte fast nie zu erreichen. Ein Außenbordmotor war eine Seltenheit, außerdem reichte seine Kraft gerade, um sich in der Strömung zu halten! Die Zahl der Boote war 1950 auf 24 Segelboote, vom Nationalen bis zur offenen Jolle angestiegen. All das, was sich seit der Gründung bis zum ersten Krieg und wiederum nach dem ersten bis zum zweiten Krieg vollzogen hat, wiederholt sich auch jetzt wieder. Das sind 1. Sicherung eines Clubheimes 2. Schaffung einer schwimmenden Anlage für die Boote und 3. der Blick nach einem Sporthafen. Nachdem im Jahre 1950 das Clubheim umgebaut und fertig gestellt war, beschloss die Hauptversammlung am 19.4.1953, eine Steganlage oder ein Schiff zu kaufen. 1952 hatte Herr STREHL für ein Jahr Herrn LIESEGANG in der Clubleitung abgelöst. In der Hauptversammlung 1954 wird von Herrn Dr. FREESE der Vorschlag gemacht, den Zündorfer Hafen auszubaggern. Es werden Gespräche mit dem KMYC und den Behörden geführt. Aber auch dieser Vorstoß führt zu keinem Erfolg und bleibt auf dem Verwaltungsweg stecken.

Zwei Dinge zeichnen sich in diesen Jahren ab: einmal sind durch die vielen unterschiedlichen Bootstypen keine einheitlichen Regatten mehr durchzuführen, vor allen Dingen keine clubeigenen Regatten. Zum Zweiten trägt die Ökonomie unseres Clubhauses sich nicht. Die Bewirtschaftung unseres schönen Clubhauses erbringt jährlich ein Defizit. Da es aber nicht Sinn der Clubbeiträge ist, die Wirtschaftskosten der Ökonomie zu decken, müssen hier neue Möglichkeiten gefunden werden.
Am 14. 6. 1956 übernimmt Herr OFFERMANN den Vorsitz, zur Seite steht Herr BOISSEREE als 2. Vorsitzender. Herr OFFERMANN versucht, die oberen Räume des Clubs für Bürozwecke zu vermieten, jedoch ohne Erfolg. Von der Wasserstraßenverwaltung wird die Genehmigung erteilt, einen Schwimmer mit Steganlage zu verankern. In Homburg wird ein Schiffsrumpf besichtigt. Man überlegt, durch die Aufnahme einer Hypothek auf das Clubhaus oder den Verkauf des Clubhauses die notwendigen Gelder zu beschaffen. Glücklicherweise konnten sich die Mitglieder und der Vorstand nicht zum Verkauf des Clubhauses entschließen. Wie Herr Dr. NACKEN als damaliger Sportwart und langjähriges Vorstandsmitglied feststellen muss, ist die Teilnahme an den Regatten in dieser Zeit gering. Es machen sich jetzt die Kriegsjahre bemerkbar, es ist einfach eine Lücke unter dem heranreifenden, jugendlichen Nachwuchs, die so leicht nicht zu schließen ist. Trotz des ständigen finanziellen Engpasses ist das Clubleben in dieser Zeit sehr gemütlich. Die alten Feste “Nikolaus” und “Schifferball” sind die Höhepunkte. Während der Clubabende haben sich Gruppen zu Stammtischen gebildet, die fast einer Sitzordnung gleichkommen. Beinahe jeden Tag finden sich ein paar Mitglieder zu einem Gespräch, einem Skat oder einem Abendschoppen ein. Der Vorstand hat einen guten Wein eingekauft, der zu Selbstkostenpreisen ausgeschenkt wird.

Herr Dr. FREESE übernimmt am 19.3. 1959 den Vorsitz des Clubs. In Verhandlungen mit dem Oberkreisdirektor gelingt es ihm, die Erweiterung und Instandsetzung des Clubhauses sowie die Verlegung der Steganlagen und des Bootshauses an die jetzige Stelle zu erreichen. Der KMYC will ein Darlehen von DM 10000,- zu 4 Prozent leihen, damit unser Haus umgebaut und umgestaltet werden kann in der Hoffnung, dass die Gastronomie dadurch einen Aufschwung erfährt. Es wird ein Vorschlag angenommen, dass jedes Mitglied DM 30,- für diese Kosten aufbringt.

1960 wird nach halbjährlicher Lehrgangszeit die erste Sportseeschifferprüfung abgenommen. Die Herren Prüfer kamen von der Seefahrtschule Bremen. Die Lehrer waren unsere Seefahrtskapazitäten Hans BOISSEREE und Admiral SIEMENS. 12 Kölner und 9 Essener Kandidaten bestanden, darunter die erste Frau, Margret LIESEGANG, Tochter von Richard LIESEGANG. 1960 übernimmt Herr OFFERMANN wieder die Clubleitung. Am 28. 4. 1960 kommt es in einer außerordentlichen Hauptversammlung zu einer Abstimmung, die den Ankauf eines Schleppschiffes von der Braunkohle (die “Braunkohle X”) bei Liegemöglichkeit in Rodenkirchen beschließt. Im Herbst ist das Schleppschiff angekauft zum Preis von DM 87200, unter Aufnahme einer Hypothek, die auf das Clubhaus eingetragen wird. In diesem Jahr hat der Club 105 Mitglieder und 29 Boote. Erstmals werden wieder zehn Regatten beschickt. Es beginnen darüber hinaus Verhandlungen mit dem Kölner Motor Yacht Club e. V. über eine mögliche Fusion. Sie kommt am 21.12.1961 nach einer Abstimmung in einer außerordentlichen Hauptversammlung zustande. Herr LIESEGANG, der seit 16. 11. 1961 wieder den Vorsitz übernommen hat und der Initiator des Ankaufs des Schleppschiffes “Braunkohle X” war, führt diese Übernahme durch. Der Name des neuen gemeinsamen Clubs heißt KÖLNER SEGLER U. MOTOR YACHT CLUB e. V. (KSMC) unter der Beibehaltung des alten Standers. Der Vorsitzende des Kölner Motor Yachtclubs e. v., Herr ROTHENBURGER, wird 2. Vorsitzender.

Der KMYC bringt DM 10000,- für die “Braunkohle” als Mitgift in die Ehe. Der Verein hat nun das lang ersehnte neue schwimmende Bootshaus. In den Jahren 1962, 1963, 1964 wird hauptsächlich an dessen Ausbau gearbeitet und die erforderlichen Genehmigungen eingeholt.
Um dem Vorstand eine kontinuierlichere Arbeit zu ermöglichen, wird beschlossen, die Clubführung, die jährlich gewählt wurde, in Zukunft alle zwei Jahre neu zu wählen. Am 30. 1. 1964 löst unser erster Nachkriegsjugendlicher, Herr Dr. BUSCH, Herrn LIESEGANG als 1. Vorsitzenden ab. Er versucht als erstes, das alte auf Pontons schwimmende Bootshaus, das mittlerweile im Mülheimer Hafen liegt, zu verkaufen. leider ohne Erfolg. Der Club befindet sich in einer äußerst schwierigen Finanzlage. Es bestehen keine Mittel für die notwendige Renovierung des Clubhauses und den Ausbau des Bootshauses zur Verfügung.

Schließlich muss noch ein langer und harter Kampf mit dem sich inzwischen voll eingerichteten alten Bootsmann um die Räumung geführt werden, bis es abgebaut und die Schwimmer – zum Steg umgebaut – nach Rodenkirchen eingeschwommen werden können.
Nach Betrachtung der vielen zurückliegenden Jahre unseres Clubs zeigt sich, dass immer nur ein kleiner Kreis von Clubmitgliedern bereit ist, ein Amt zu übernehmen, Arbeit zu leisten und Verantwortung zu tragen, sei es als Vorsitzender, Stellvertreter, Schriftführer oder Schatzmeister, Wirtschaftsführer, Sportwart oder Hafenwart.
Ihnen allen sei hier Dank gesagt für ihre Mühe und Arbeit. Die Meisten haben diese Arbeit aus der Liebe zu ihrem Sport und in der Erkenntnis, dass dieser nur im Rahmen eines Vereins ausgeführt und gefördert werden kann, übernommen. Bevor Herr Dr. BUSCH Vorsitzender wurde, war er seit 1962 2. Vorsitzender. Ihm zur Seite stand der Schriftführer, Herr OLEPP, der dieses Amt seit 1959 bekleidete. In den folgenden Jahren musste der Club erhebliche finanzielle Anstrengungen unternehmen. Der Ausbau des neuen Bootshauses, der Ausfall des Kauferlöses für das alte Bootshaus, die dringend notwendige Anschaffung zweier Piraten für die Jugend “TÜNNES” und “SCHÄL” – und die zwingend notwendigen Reparaturen an unserem Clubhaus führten schließlich zu einer besorgniserregenden finanziellen Lage des Clubs. Die Boote Tünnes und Schäl kaufte der Club von der besten Werft für Holzboote, Abeking und Rasmussen, mit der uns eine lange Tradition verband. Über 10 Eigner, wie VOLLRATH 1921, WAHL, BECKER, Dr. FREESE und LIESEGANG mit seiner Passat besaßen Boote, die von A&R gebaut worden waren.

Am 10. 3. 1966 wird Herr MAGER zum Stellvertreter von Herrn Dr. BUSCH gewählt und als Schatzmeister Herr HÖLZEL. Mit dieser Wahl war eine Generationsablösung eingetreten. Die Welt um uns hatte sich verändert, das Management und der wirtschaftliche Erfolg waren Maßstäbe geworden. Auch ein Sportverein musste sich diesen Bedingungen anpassen.
Schon in der Wahlversammlung wurde beschlossen, das Clubhaus umzubauen und zu verpachten. Herr HÖLZEL stellte die Baupläne auf und schrieb die Arbeiten aus. Parallel dazu sucht Herr MAGER mit seinen Erfahrungen als Verwaltungsfachmann alle Möglichkeiten von Finanzierungshilfen zum Umbau des Clubhauses und zur Renovierung und Erweiterung unserer Steganlagen ausfindig zu machen. Mit einem erheblichen öffentlichen Sportzuschuss des Landes Nordrhein-Westfalen kann die Steganlage in Auftrag gegeben werden: ein 55 m langes Floß wird eingeschwommen und der Belag auf den alten Flößen erneuert.

Mit der Familie BALCZUN wird auch der Pächter unseres Clubhauses gefunden. Am Donnerstag, unserem Clubtag, bleibt das Clubhaus für die Mitglieder reserviert sowie an jedem Tag ein Stammtisch. Die Umbauarbeiten sind sehr schwierig, die Heizung muss herausgerissen und erneuert werden. Die Holzfußböden werden durch einen Fliesenfußboden ersetzt, Kühlanlage und Theke müssen neu eingebaut, der gesamte Anstrich renoviert, die Fenster z. T. erneuert und die Wohnung der neuen Pächter hergerichtet werden. Die Familie BALCZUN trägt ihrerseits durch eine gute Inneneinrichtung, Bestuhlung und liebevollen Ausbau zur Gemütlichkeit der Räume bei. Am Ende des Jahres sind unsere “Baustellen„ fertig gestellt, und nach dem Schweiß sollte jetzt der Genusskommen. Die Ökonomie war kein Problem mehr, der Club lebte nicht mehr von der Hand in den Mund und hatte eine solide Basis. Damit waren die Voraussetzungen geschaffen, die Primäraufgabe eines jeden Sportclubs, die Förderung des aktiven Sports in Angriff zu nehmen.
Mit dem Segelclub Ville, der den Liblarer See als Revier sein eigen nennt, wird ein Freundschaftsabkommen am 15. 7. 1967 geschlossen. Zweck der Vereinbarung ist, über das Clubleben hinaus Beziehungen zu nahe gelegenen Vereinen zu schaffen und unserer Jugend Gelegenheit zu geben, im Schoße des Freundesvereines die Anfänge des Segelns auf dessen sicherem Revier zu erlernen. Dafür soll den Mitgliedern des Segelclubs Ville mit gleichen Bedingungen wie unseren Clubmitgliedern ermöglicht werden, unsere am Rhein liegenden Anlagen zu frequentieren und sich am Hochseesegeln unseres Clubs zu beteiligen. Mit Unterstützung von Stadt und Land und einem erheblichen Zuschuss unseres Pächter Ehepaares BALCZUN wird eine Segeljolle Klasse Zugvogel -, die “Bettina”, angeschafft. Außer den neu geschaffenen Ausbildungsmöglichkeiten für die Jugendlichen muss das Revier für die Erwachsenen erweitert werden. Viele sind Seesegler geworden und haben ihre Boote in Holland liegen.
Auch die Rheinwochen, wie immer an den Pfingsttagen, wurden 1974 für uns ein besonderes Ereignis. Die Regatta war so eingeteilt, dass die Boote diesmal bei uns über Nacht blieben. So konnten wir die insgesamt 72 teilnehmenden Boote mit ihren Mannschaften durch ein Hafenfest mit Freibier und einem reichen Programm an Darbietungen, von unserem Walter RICHTER organisiert, und geleitet, überraschen. Unter den Klängen der Polizei Kapelle verabschiedeten wir die Segler für die weiteren Regatten.

Am 14.3. 1974 musste in der Mitgliederversammlung der Vorstand neu gewählt werden.
Es hatte sich bei den letzten Wahlen bereits gezeigt, dass es immer schwerer wird, Männer zu finden, die bereit sind, ihre Freizeit für eine Vereinsarbeit zu opfern. Es hat sich aber erwiesen, dass es wenig sinnvoll ist, die Mitgliederversammlung am Abend der Wahl spontan einen neuen Vorstand wählen zu lassen. So waren die Wochen vor der Versammlung mit Sondierungsgesprächen angefüllt. Dabei wurde klar, dass bei der Belastung durch diese Tätigkeit eine neue Mannschaft nicht zu finden war. Konsequenterweise musste die Vereinsführung neu geordnet werden. Die in der Mitgliederversammlung vorgeschlagene und von dieser vor der Wahl einstimmig angenommene Konstruktion reduzierte die Belastung für die ehrenamtlich tätigen Herren wesentlich.
1 . Der neue Vorstand besteht in Zukunft noch aus dem Vorsitzenden (der Präsident wurde zum Vorsitzenden); ihm zur Seite steht ein Stellvertreter.
2. Der Vorstand ernennt und stellt einen Geschäftsführer ein. Dieser trägt die Hauptlast der Arbeit mit Sitz in der Geschäftsstelle.
3.Der Vorsitzende ernennt für bestimmte Aufgaben Beiräte, die die ihnen gestellten Aufgaben voll verantwortlich und selbstständig durchführen. Die Berufung eines Beirates kann zeitlich befristet für eine bestimmte Arbeit sein. Die Zahl der Beiräte ist nicht beschränkt. Der bisherige Beirat entfällt.
4. Der Ehrenrat bleibt in alter Weise bestehen.
Die Vorteile der neuen Form waren Vermeidung von Vorstandssitzungen (Es waren 1972 49!), bei der der Vorstand geschlossen über Entscheidungen abstimmen musste. Allein die terminliche Koordinierung der Herren war inzwischen zu einem Problem geworden. Es ist auch nicht mehr notwendig, dass sich jedes Vorstandsmitglied mit jedem Problem zu beschäftigen hat. Und schließlich liegt die Last der Routinearbeit beim angestellten Geschäftsführer. Die Mitgliederversammlung wählte den bisherigen Präsidenten HÖLZEL zum Vorsitzenden. Dieser schlug zu seinem Stellvertreter den Rechtsanwalt Florian GEYR vor, den die Mitgliederversammlung bestätigte. Damit war der neue Vorstand gewählt. Der Vorsitzende stellte als erste die Geschäftsführerin des KYC, Frau Hilde SIEBENHAAR, vor Zu Beiräten wurden bestellt: L. MAGER, W. RICHTER, P. SIEBENHAAR, E. GÖLDENITZ, Ph. KLÖCKER, E. WILMES, K. BECK, E. BERGES und E. BECKER. In dieser Mitgliederversammlung wurde weiter beschlossen, die vor dem Clubhaus liegende Steganlage zu verkaufen. Sie war seit Jahren eine finanzielle Belastung, und es lagen nur noch drei oder vier Mitglieder mit ihrem Boot dort. Diese rechtfertigen nicht die jährliche Belastung von 10000,- bis 15000,- DM. In den folgenden Monaten wurde der Vertrag mit Herrn Dieter KLÖCKER, der die Anlage dem KYC abkaufte, -geschlossen. Sie ging am 1. Oktober 1974 in dessen Eigentum über. Die Anlage bleibt unter dem Stander des KYC. Der Verein erhält drei Liegeplätze für clubeigene Boote kostenlos zeitlich unbeschränkt. Die Schule wiederum zieht mit den Unterrichtsräumen bei Herrn KLÖCKNER ein und schließt mit diesem einen neuen eigenen Vertrag. Das Absegeln in Monnickendam stand diesmal im Zeichen einer Regatta, die zunächst bei Windstärken von 7-8 abgesagt werden musste, aber inoffiziell lief. Als der Wind auf 7 heruntergeht, wird bei dicht zusammenliegenden Feldern der 3 Klassen der Tag zu einem schönen Erlebnis mit dem üblichen abendlichen Schwoof und einer regen Teilnahme von 80 Mitgliedern und Freunden.

1975 erweiterte Köln zum 3. Mal sein Gebiet. Esch, Pesch, Teile von Pulheim, Widdersdorf, Lövenich, Marsdorf, Wesseling, Hürth und schließlich unser Rodenkirchen wurden Stadt Köln.
Köln fasste damit weit im Vorland Fuß, wurde Millionenstadt und zur größten Stadt am Rhein. Von allen Städten am Rhein bietet Köln für die Sportschiffer am wenigsten. Die teilweise Freigabe des Rheinauhafens war der erste Schritt. Nun, da Rodenkirchen Köln ist, hofften wir wieder, dass unser Wunsch nach einem ersten Sporthafen an diesem traditionellen Wassersportrevier Wirklichkeit wird.
Die “Dickschiffeigner” hatten Köln längst verlassen. Wo kein Heimathafen vorhanden ist (so wie ihn Düsseldorf und die meisten Rheinstädte haben), kann sich kein Stamm von Dauerliegern niederlassen, sie suchen einem winterfesten Platz für ihr Boot. Der Wunsch, andere Reviere kennenzulernen, beschleunigt die Abwanderung der größeren Schiffe! Zunächst verlagerte sich der Wassersport zunehmend vom Rhein nach Holland in die “Kölner Bucht”. Auf der Suche nach neuen Revieren und dem allgemeinen Trend nach Süden in die Sonne suchten die Mitglieder Dr. BUSCH, Dr. NACKEN, HÖLZEL, MAGER, Dr. WEISS, Dr. BRANDES, K. HELLER ein neues Revier. Holländischen Regen und Wind hatten sie reichlich erlebt. Die Damen (die Admiralität) wollten nun Sonne! ANDRAITX auf MALLORCA schien allen Forderungen zu genügen. Also suchten die Herren ein geeignetes Gelände und fanden es am steilen Hang der Hafeneinfahrt von PORTO DE ANDRAITX. HÖLZEL plante 48 Appartementhäuser, nahm als Partner den ansässigen Architekten OTZUP Die Mitglieder legten Ihre Einheit fest (die Hälfte der Häuslein hatte im Nu ihren Eigentümer), und als die Baugenehmigung erteilt werden sollte, war das Grundstück mit Bauzusagen durch die Makler “PUNTE ROSSO” anderweitig verkauft! Ein Teil der Bewerber kaufte beim neuen Bauherrn, und im Hafen wehte nun der Stander vom Kölner Yacht Club. Die Nichtentschlossenen wanderten mit ihren Booten weiter, einen anderen Hafen zu suchen. E. HORBACH fand seinen Platz im eben fertig gestellten neuen Sporthafen von Menton, an der Grenze von Frankreich nach Italien. Ihm folgten J. OLEPP, K. MAIER, DR. GAZON, W. HÖLZEL, H. BARTH. Mit den kleineren Booten fuhren die Skipper auf der wunderbaren Einbahnstraße Rhein Mühlhausenkanal – Doubs-Saone – Rhöne nach Süden, nach Menton. Die größeren segelten durch die Nordsee, die Biscaya, um Gibraltar herum bis zur italienischen Grenze. Für viele Clubmitglieder die einmalige Gelegenheit, als Mitsegler einen solchen Törn zu erleben! HÖLZEL baute dieses Nomadentum noch aus, indem er je ein Jahr in MALLORCA, KORFU und ATHEN überwinterte, ehe er endgültig in Menton Ruhe fand. Diese Aktivitäten brachten vielen Mitgliedern herrliche Ferientörns, minderten aber das Interesse an den Aktivitäten im heimischen Kölner Revier ohne Hafen! Wegen abnehmender Akzeptanz durch die Mitglieder und zunehmender finanzieller Belastung musste das Bootshaus 1974 verkauft werden. Bezeichnend war auch, dass es letztmals 1975 während einer Rheinwoche von den Regattabooten angefahren wurde. Danach erlosch für Jahre das Interesse der Clubmitglieder am Rheinsegeln, die Rheinregatten gingen am Club vorbei.
Das Jahr beginnt mit einem freudigen Ereignis, der KYC feierte am 27. 01. 1975, am Tage des Geburtstages des letzten deutschen Kaisers, sein 75jähriges Jubiläum im Hotel lntercontinental (jetzt Dorinth Hotel). Es war eine rauschende Ballnacht. Der Vorsitzende w. HÖLZEL konnte 400 Gäste begrüßen, die ihm bis 2.00 Uhr Früh die Treue hielten. Es kamen Grüße aus der ganzen Welt. Kölns Bürgermeister zeichnete die Crews des Atlantiktörns aus, die 1973 1974 mit der “Atlantis” in die Karibik und zurück nach England gesegelt waren. Zum Tanze spielten 2 Kapellen. Last not least erschien das Kölner Dreigestirn. Der Club hatte keine Kosten gescheut, sagt doch ein altes Sprichwort: “Wat jet es, koss jet!”

Zum Jubiläum war von W. HÖLZEL eine umfangreiche, gut bebilderte Festschrift erschienen, die nicht nur auf die Entwicklung des KYC einging, sondern auch das seglerische und motorbootsportliche Umfeld wie auch wesentliche Entwicklungsdaten der Stadt Köln, des Rheines wie seiner Häfen mit einschloss.
Die Mitgliederversammlung beschlossden Kauf eines neuen Bootes, der “COLONlA”, eine “Halmatic 8,80″ mit guten Segeleigenschaften (28 qm) und einer 47 PS Maschine. Sie wurde in den kommenden Jahren auf den größeren Flüssen und Küstenrevieren eingesetzt. Aus dem Protokoll der Mitgliederversammlung ist weiter zu ersehen, dass dem Club zum Jahreswechsel 274 Mitglieder angehörten und im Bootsregister 71 Segelboote und 46 Motorboote registriert waren. Die Clubzeitschrift in diesem Jahre redigierte Helga CEVCIK-CARSTENS, deren Redaktion sie 1974 von W. HÖLZEL übernommen hatte.
Clubzeitschriften erschienen immer wieder, so die “Rhein und See” Ende der 20er Jahre, die “Monatlichen Nachrichten” in den 30er Jahren, mehr ein Mitteilungsblatt, und Anfang der 60er Jahre ein schreibmaschinengeschriebenes Nachrichtenblatt. Festschriften erschienen 1925, 1950, 1975 und 1990. Die nun herausgegebene Zeitschrift erschien erstmals 1968 und wurde erst 1995 eingestellt. Als neue Pächter der Gastronomie im Erdgeschoß wirkte ab nun das Ehepaar QUEBE, welches auch das Maternus nebenan mitbetrieb und bei uns das Ehepaar HEMPEL als Geschäftsführer einsetzte.
1976 starb Josef KNEIN, Ehrenmitglied unseres Clubs, der schon in den 20er Jahren insbesondere die gesellschaftlichen Veranstaltungen gestaltet und sogar ein Clubliederbuch herausgebracht hatte. Bis zuletzt war er für Clubbelange ansprechbar.

Am 3. Juli 1977 starteten die Clubmitglieder Irma und Achim Geyssel nach einer offiziellen Verabschiedung im Club als erste Kölner zu einer Weltumsegelung von Hindelopen auf ihrer Yacht „Lorbas“. La Rochelle, Casablanca, Panama und Tahiti waren ihre ersten Stationen.
Am 9.8.80 kehrten die Weltumsegler Irma und Achim Geyssel über Tonga, Australien, Bali, Rotes- und Mittelmeer, über Rhone und Rhein nach Köln zurück. Der Vorsitzende hatte einen feierlichen Empfang mit Musik vorbereitet. Unter Fanfarenklängen machte die „Lorbas“ der Geyssels am Steg fest, wo ihnen der Vorsitzende gratulierte. Zur Begrüßung erschien der Bürgermeister  Dr. Blens. Zu Ehren der Heimgekommenen stand das anschließende Sommerfest unter dem Motto: „Karibische Nacht!“


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