Antifouling und Gewässerschutz müssen aufeinander abgestimmt sein

erstellt am: 18.12.2018 | von: redakteur | Kategorie(n): Allgemein

Folie Einteilung Schutzsysteme NoehDie zahlreichen Teilnehmer an der ersten Veranstaltung der Köln-Bonner-Yachtclub-Gemeinschaft bekamen keine leichte Kost vorgesetzt: Gleich mit drei Wissenschaftlern war das Umweltbundesamt (UBA) aus Dessau und Berlin nach Köln gekommen, um über die Probleme des Antifoulings zu informieren und auch zu diskutieren. Ergänzt wurde die Runde der Referenten durch Dieter Händel aus dem Umweltreferat des Deutschen Motor Yacht Verbandes (DMYV) und Joachim Müller, Wassersportler und unabhängiger Experte für Farb- und Rohstoffe.

In Anwesenheit etlicher Vereinsvorsitzender und Mitgliedern des SVNRW und des NRW-Präsidiums vom DMYV begann Dr. Setzer vom UBA mit den Begriffsklärungen. Was ist Fouling? Warum braucht man Anti-Fouling? Welche Zulassungsvorschriften und welche Produkte gibt es auf dem Markt? Ihm folgte die Leiterin des Fachbereichs “Biozide” beim UBA, Dr. Ingrid Nöh, mit detaillierten Informationen zum gewässerschonenden Umgang mit Anti-Fouling-Produkten und möglichen Alternativen. Als dritter UBA-Referent informierte Dr. Michael Feibicke die Zuhörer über die Ergebnisse einer umfangreichen Untersuchung über den Sportbootbestand und die Häfen in Deutschland und ihre  regionale Verteilung. Mit 206.000 Booten in 3090 Marinas ergibt sich hieraus, dass von den Sportbooten nur 3% an der Nordsee, 26% an der Ostsee, aber 71% im Binnen-Süßwasser-Bereich zu finden sind. Hier herrschen andere Schutzbedürfnisse als im Salzwasserbereich.

Die in Deutschland noch oft anzutreffenden, kupferhaltigen Antifoulings sind in den Niederlanden und in Schweden seit Jahren verboten. Auch in Deutschland müsse das Einbringen von etwa 350 Tonnen Kupfer ins deutsche Süßwasser jährlich, etwa 20 % davon durch Antifoulings, deutlich reduziert werden. Hier sei die Industrie gefordert, umweltschonendere Antifoulings zu entwickeln und die Behörden, lokale bzw. regionale Verbote und Beschränkungen zu erlassen.

Joachim Müller rundete den Informationsreigen schließlich ab mit klaren Fakten zum Thema Schutzanstriche: 5 Mio. Quadratmeter Unterwasser-Rumpffläche von Sportbooten benötigen rund 800 to Decklack, 200 to davon sind mit Biozid von denen etwa 50% jährlich ins Wasser gelangen. Bei ca. 70 % Binnenanteil ergibt das eine Menge von 70 Tonnen Kupfer. Er warnte besonders vor den Gefahrstoffklassen H400 und H410, die – auch in angeblichen “ECO-Anstriche” – vorhanden sind. Beide sind sehr giftig und schädigen erheblich die Wasserorganismen.

Die anschließende, lebhafte Diskussion der Runde wurde mit großen Applaus nach über drei Stunden beendet und wird laut Wunsch der auch begeisterten Referenten fortgesetzt.

 

Udo Giesen


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